shows. stories. events. erlebnisse. Darum geht es in unserem neuen Magazin. 

Ausgewählte Geschichten aus der aktuellen Ausgabe gibt es hier. Und zwar diese:

Bühne 32: Das komplette neue Programm 

Good Bye Lenin: Regisseurin Maja Delinic im Interview

El von Knorre: Die Singer-Songwriterin und Pianistin im Porträt

Stunksitzung unplugged: Ausblick auf das Gastspiel im Spätsommer

Viel Spaß beim Lesen!

Bewegte Geschichte in besten Händen

Im Gespräch.
Maja Delinic hat vor ihrer Theaterlaufbahn schon auf mehreren Kontinenten gearbeitet. Grenzen überwinden ist für die Weltbürgerin normal geworden. Auch auf der Bühne: Mit ihrer Inszenierung von Good Bye, Lenin!, nach dem gleichnamigen Filmerfolg, gastiert sie am 5. Juni in der Halle 32.

Ihre Wurzeln liegen in Kroatien, aufgewachsen ist sie in Franken, gelebt und gearbeitet hat sie unter anderem in Australien, Brasilien und Russland – Maja Delinic kennt nicht nur die Bretter, die die Welt bedeuten, sondern auch die Welt.  Grenzen überwinden und Neues entdecken, darum geht es auch in ihrer Arbeit als Theaterregisseurin. Das war schon 2018 so, als sie mit einer Adaption des Wolfgang Herrndorf-Romans „Tschick“ über den Roadtrip zweier Jugendlicher ihren Durchbruch schaffte. Das ist auch jetzt nicht anders, bei Good Bye, Lenin!, wo das Überwinden von Grenzen eine zentrale Rolle spielt. „Es gibt zwischen den Stoffen viele Parallelen. Es sind beides Coming-of-Age-Geschichten und es geht auch ums Abschiednehmen“, erklärt die 38-Jährige.  Was beide Stücke ebenfalls eint: Es gibt sehr bekannte und erfolgreiche Verfilmungen. Hat das Druck erzeugt? „Nein, weil das Theater ein völlig anderes Medium ist. Wenn im Film einer in einen See springt, wird dieser in der Regel gezeigt. Im Theater kann dieselbe Szene ohne den echten See auskommen, weil der in der Fantasie des Publikums entsteht. Und genau das mag ich sehr: So wenig vorkauen wie möglich, dafür die Fantasie anregen“, unterstreicht Maja Delinic. 

Daher setzt sie bei vielen Inszenierungen auf ein eher spartanisches Bühnenbild. Die Kulisse von Good Bye, Lenin! ist im Vergleich dazu fast üppig, zumal die Regisseurin sich vorab einige Original-Requisiten aus der ehemaligen DDR besorgt hat, darunter sind eine Schreibmaschine, alte Kopfhörer, ein Röhrenfernseher. So wird das Zimmer, in welchem sich die Mutter des jungen Alex zum großen Teil aufhält, weil sie wegen ihres Komas die Wende verpasst hat, zu einem kleinen Museum. Ganz wichtig dabei: „Es geht um Nostalgie, nicht um Ostalgie. Wir wollen nichts verklären.“ Zur Vorbereitung hat Maja Delinic sich weniger mit dem Film als mit Fachliteratur über die DDR befasst, um diese auf der Bühne wiederzubeleben. 

Ein wesentlicher Bestandteil, den sie erst im Zuge der Proben hinzugefügt hat, ist die Mauer: „Ich spürte irgendwann, dass wir sie als zentrales Element brauchen. Anfangs spielen sogar einige Szenen hinter der Mauer, sprich die Zuschauer sitzen quasi im Westen und hören, was im Osten passiert.“  Da die Mauer aus drei Elementen besteht, wird sie im weiteren Verlauf variabel eingesetzt. Die Hauptfigur Alex, voller Sorge um die Mutter, versucht mit allen Mitteln, dieser vorzugaukeln, die DDR existiere nach wie vor – aus Sorge, die überzeugte Kommunistin könnte die Wende nicht verkraften. Immer wenn die Mutter agiert, schließt sich die Mauer. Anders als im Film liegt sie im Stück nicht nur im Bett, sondern wird aktiver.

Auch fast 35 Jahre nach dem Fall der Mauer sei die Geschichte noch sehr aktuell und gleichsam lehrreich, findet Maja Delinic: „Man bekommt ein gutes Gespür für diese Deutsch-Deutsche Geschichte und versteht auch ein stückweit, dass sich Menschen aus Ostdeutschland nach der Wende benachteiligt gefühlt haben. Gleichzeitig muss man bei der Einarbeitung in solch eine Thematik darauf achten, was man sich kulturell möglicherweise aneignet. Denn letztlich sind wir ja alle Inhaltstouristen.“ Maja Delinic ist es im doppelten Sinne, denn sie saugt Inhalte nicht nur auf, sie bringt auch welche mit. 

Spannend fand sie die ersten Reaktionen nach der Premiere von Good Bye, Lenin! im September vergangenen Jahres: „Wir hatten Schülerinnen und Schüler im Publikum, die den Film nicht kannten, von der Geschichte aber gleichsam sehr berührt waren.“  Das, so fügt die Regisseurin an, kann auch daran liegen, dass Good Bye, Lenin! eine sehr persönliche Geschichte erzählt: „Es geht um den Abschied von der Mutter, also um das Loslassen, was nie leicht ist, wenn man einen Menschen sehr liebt. Und wir haben ja in der Coronazeit gespürt, wie schwer es war, wenn man zum Abschiednehmen noch nicht einmal im selben Raum sein darf.“  

 Bereits jetzt ist die Inszenierung ein Dauerbrenner geworden, was auch an der guten Zusammenarbeit des Ensembles der Burghofbühne Dinslaken liegt. Maja Delinic mag es, dort in einem kleinen Team kreativ zu werden, und hat sich neben der Regie auch um Kostüme und wie beschrieben um das Bühnenbild gekümmert: „Wir haben hier eine richtige Wohlfühlatmosphäre, es geht sehr herzlich zu“, unterstreicht sie.  Das zeigt sich in der Inszenierung, im Spiel, im großen Ganzen. Die Zuschauerinnen und Zuschauer in der Halle 32, wo Maja Delinic übrigens das erste Mal zu Gast sein wird, dürfen sich auf eine Tragikomödie voller Gefühl, Tiefgang und zugleich Witz und Situationskomik freuen. Good Bye zu Lenin bedeutet zugleich Hallo zu großer Theaterkunst.

Good Bye, Lenin!, 5. Juni 2024, 20 Uhr, Halle. Infos und Tickets: 

Sie trägt ihren Schatz an Songs in die Welt

Porträt
Elo von Knorre hat mit Online-Kursen über 1000 Menschen das Musizieren beigebracht, in der Halle 32 an Shows und Musicals mitgearbeitet und kommt nun mit einer Soloshow und eigenen Songs nach Gummersbach.

Wie lernen die Menschen in der Regel ein Musikinstrument, zum Beispiel Klavier? Klar: Mit Noten, in der Musikschule. Wie möchten aber viele Menschen gerne spielen lernen? Auch klar: „Im freien Spiel, nach Akkorden, insbesondere, wenn es um Pop- oder Rockmusik geht. Es gibt sehr erfolgreiche Musikerinnen und Musiker, die keine einzige Note kennen, weil sie aus dem freien Spiel, aus dem Jammen heraus ihre Stücke entwickeln. Und die berühren dann besonders, weil sie persönlich und authentisch klingen“, unterstreicht Elo von Knorre. Die Pianistin, Sängerin und Songwriterin weiß genau, wovon sie spricht. Denn sie wuchs mit dem Klavierspielen auf, nachdem sie mit neun Jahren ein Klavier geerbt hatte und ihre Eltern ihr freistellten, das Instrument zu lernen. Ohne Zwang, sondern in Eigenverantwortung: „Dafür bin ich ihnen heute noch dankbar.“ 

 Elo von Knorre hat insbesondere in der Pubertät das Instrument lieben gelernt, weil sie alle ihre Gefühle in Musik umsetzen konnte. Sie hat schon als Teenager ihren Freundinnen das Klavierspielen gezeigt und später Schulmusik studiert – um dann herauszufinden: Nein, klassisch unterrichten, an einer Schule, das ist nicht ihr Ding. „Ich brauche in meiner Arbeit für die Musik, mit der Musik und letztlich auch mit den Menschen viel Freiheit“, erzählt sie. Um diese zu leben und gleichsam ihr Wissen an andere weitergeben zu können, entwickelte sie ein eigenes Unterrichtskonzept nach dem Prinzip „Jeder kann Klavier lernen“. Und sie macht klar: „Damit meine ich jeden, gerade auch Menschen, die sich das vielleicht bisher nicht zugetraut haben. Das Mädchen, das eine Förderschule besucht, ebenso wie den 92-Jährigen, der an Parkinson leidet. Der Weg zum Klavierspielen ist für jede und jeden individuell; lernen kann man es immer. Um dann zu spüren, wie beglückend es ist, wenn man sich mit der Musik ausdrücken kann.“

Über ihre Lernplattform bietet Elo von Knorre eigens entwickelte Onlinekurse zum freien Klavierspielen und Singen an, die aus Videos, pdf-Dateien mit Hintergrundinfos und Audiodateien bestehen, zudem gibt es viel Support von ihr und ihrem Team. Die Kurse werden bundesweit nachgefragt, rund 1000 Menschen haben damit schon Klavier spielen und Singen gelernt. Auch, weil Elo von Knorre ihren Schülern eine Hürde von vorneherein nimmt: „Die Kurse basieren auf der Idee, sich jeden Tag zehn Minuten Zeit fürs Üben zu nehmen. Das reicht aus. Oft werden daraus 20 oder 30, weil es Spaß macht, weil Fortschritte erlebt werden. Aber wenn es mal nicht rund läuft, schafft man die zehn Minuten trotzdem. Hauptsache man spielt so gut wie jeden Tag.“ Das Unterrichten ist für Elo von Knorre das eine, Shows und Bühnenauftritte sind das andere. Vor zehn Jahren zog sie nach Gummersbach, suchte einen Cellolehrer für ihre Tochter und traf so auf Joachim Kottmann, der in der Halle 32 seit vielen Jahren Musicals, Konzerte und Shows auf die Bühne bringt. Gemeinsam arbeiteten sie an einer Reihe von Projekten, darunter auch „Chorwärts“. Neben Klavier spielte Elo von Knorre nun auch Bass, Banjo und Cajon. Erfolgreich Musik unterrichten, zudem erfolgreich Musik machen im Ensemble - da könnte man sagen: Jo, läuft, lassen wir mal so.  

Oder man stellt fest: Über die Jahre haben sich viele eigene persönliche Songs angesammelt, komponiert und geschrieben in bewegten Zeiten. Ein wertvoller Schatz an Liedern, die so vieles aus dem Leben erzählen. Diesen Schatz kann man verschließen. Oder man trägt ihn in die Welt. Genau das hat Elo von Knorre gemacht. „Solo“ heißt ihre erste eigene Show. Nur sie, das Piano, ihre Stimme, ihre Lieder – und das Publikum, das gerne mitsingen darf. Die Soloshows sind ein mutiger Schritt, der gut geplant wurde: „Zuerst habe ich kleine Wohnzimmerkonzerte gemacht und um ehrliches Feedback gebeten“, erzählt sie. Die begeisterten Rückmeldungen von Menschen, die sie mit ihrer Musik und ihren Texten tief bewegt hatte, motivierten sie, weiterzumachen. Und ihr „Entdeckerglück“ – so lautet ein Motto ihres Lebens – auch auf diesem neuen Weg zu suchen. 

 Der Solo-Auftritt am 8. Juni in Gummersbach ist bereits der vierte, als erfahrene Musikerin weiß Elo von Knorre: „Man muss sich die Bühne erspielen. Das ist anstrengend, erfordert Hingabe, aber wenn es funktioniert, kann ich in Verbindung mit dem Publikum eine einzigartige Stimmung erzeugen.“  17 eigene Songs, die meisten auf deutsch, einige wenige auf englisch, umfasst die Setlist aktuell. Manche davon hat sie schon im Studio eingespielt, vielleicht entstehen demnächst Bandversionen. Weitere Auftritte sind geplant. Elo von Knorre, als innovativer Coach für Klavier und Gesang längst etabliert, hat als Solo-Künstlerin gerade erst angefangen.

Elo von Knorre, 8. Juni 2024, 20 Uhr, Studiobühne. Infos und Tickets:

40 Jahre und kein bisschen leise

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Interview
Seit der Gründung im Jahr 1984 ist Bruno Schmitz festes Mitglied der Kölner Stunksitzung. Hier erzählt er, warum das Ensemble wieder mit einer Unplugged-Show auf Tour geht, was seit 40 Jahren das Erfolgsrezept ist und was die Zuschauer in der Halle 32 erwarten dürfen.

Herr Schmitz, mit der aktuellen Tour feiert die Stunksitzung 40-jähriges Bestehen. Mit einem fast dreistündigen Programm, den besten Sketchen aus den legendären Shows im Kölner E-Werk sowie aktuellen Kabarettnummern, dazu gibt es viel Abwechslung mit Songs, die nicht nur von der Begleitband, sondern auch vom zwölfköpfigen Ensemble gesungen werden. All das klingt nach einer großartigen Show. Wenn man die nach vier Jahrzehnten des Bestehens und dem Überstehen der Corona-Pandemie in Originalbesetzung auf die Bühne bringen kann – was macht das mit einem?Bruno Schmitz: Das macht was ganz Großes mit uns. Wir verspüren eine wahnsinnige Freude und Erleichterung. Zwei fest geplante Wintershows im E-Werk mussten wir ja coronabedingt ausfallen lassen, 2021 und 2022. Das haben wir nicht gerne gemacht, sondern mit Enttäuschung und Verbitterung.  Ich erinnere mich gut: In 2022 konnten wir noch mit jeweils 400 Gästen die traditionelle erste und zweite Hauptprobe veranstalten, die wir immer zu einem vergünstigten Eintrittspreis anbieten, der dann gespendet wird. Einen Tag später, direkt vor der Generalprobe, wurde Karneval abgesagt. Einige Nummern konnten wir ins Jahr 2023 hinüberretten, andere mussten wir wegwerfen. Dass wir nun wieder am Start sind und zugleich viele neue Themen einbauen konnten, erfreut uns wirklich. 

Sie greifen regelmäßig gesellschaftliche und politische Themen auf ...
Bruno Schmitz: ... und es ist gar nicht einfach, immer wieder neu auf die jeweils aktuelle Lage zu reagieren. Ich habe zum Beispiel im letzten Jahr den Trainer vom 1. FC Köln, Steffen Baumgart parodiert, der die Ampelregierung coacht. Die Nummer kann ich jetzt nicht mehr spielen. Er ist inzwischen Trainer beim Hamburger SV und die politischen Themen haben sich überholt. Zum Glück finden sich immer wieder neue.

Es gibt ja genügend Anlässe, über die man sich herrlich aufregen und die man dann aufgreifen kann.
Bruno Schmitz: Und wir regen uns sehr auf! Wir haben eine klare politische Haltung,  denn wir kommen aus der Anti-AKW- und Friedensbewegung und wissen genau, wo wir stehen in der Gesellschaft. Dadurch unterscheiden wir uns auch vom klassischen Karneval: Dass wir politische Themen aufgreifen und sie sarkastisch und humorvoll aufarbeiten. Die künstlerische Verarbeitung hilft, all diese Dinge auch persönlich zu verarbeiten.

Wie wichtig ist dafür die künstlerische  Freiheit?
Bruno Schmitz: Sie ist in unserem Ensemble fundamental. Alles, was wir erarbeiten, ist selbstbestimmt. Wir sind ein Kollektiv, wir verdienen alle dasselbe, es gibt keine Hierarchie, wir haben die volle künstlerische Freiheit. Das ist ein absolutes Privileg und dadurch unterscheiden wir uns von vielen Menschen in klassischen Berufen. Das ist uns bewusst, dafür sind wir dankbar, das haben wir uns aber auch erarbeitet. Wir entwickeln uns auch nach 40 Jahren ständig weiter, wir sind nicht gesättigt, lehnen uns nicht zurück. Das macht gleichzeitig die Qualität aus: Wir müssen uns immer wieder neu hinterfragen und verbessern.

Die Stunksitzung behandelt, ganz gleich ob klassisch oder unplugged, seit Jahren  Themen, die die Gesellschaft bewegen: Fachkräftemangel, Integration, Wohnungsnot, Klimawandel, Koalitionspolitik, gleichsam die mächtigen Unsympathen der Welt, wie Sie sie gerne bezeichnen. Was unterscheidet die  Unplugged-Variante, mit der Sie im September in der Halle 32 zu Gast sind, von der  klassischen Version?
Bruno Schmitz: Es ist alles etwas persönlicher, obwohl nach wie vor das größte Kabarett-Ensemble der Republik auf der Bühne steht. Dafür aber kein Köbes Underground als komplette Band, sondern drei Musiker, die uns ebenso hervorragend begleiten.  Kein großer Bühnenaufbau, kein Elferrat. Dafür weiterhin die wunderbare Biggi Wanninger als Präsidentin, die wieder auf begnadete Weise durchs Programm führen wird. Bei über 700 Nummern, Sketchen und Liedern, die sich über die Jahre in der Stunksitzung angesammelt haben, sind die Unplugged-Shows immer auch ein bisschen wie ein Best-of, ergänzt um aktuelle Elemente. Ich finde, die Leute sind bei diesen Shows deutlich näher dran an uns als Schauspielerinnen und Schauspielern – und am gesamten Geschehen. So hat es mir auch vor kurzem mal ein Zuschauer gespiegelt, der sagte: Mensch, jetzt kann man euch mal so richtig in Aktion sehen.

Wie wichtig sind Humor und Lachen in unsicheren und bewegten Zeiten wie diesen?
Bruno Schmitz: Angesichts der aktuellen politischen Lage bleibt einem das Lachen auch mal im Halse stecken. Aber ich finde es wichtig, den Leuten gerade jetzt einen schönen Abend zu bereiten, an dem sie lachen dürfen und sollen! Weil wir ihnen Momente der Leichtigkeit bieten – und das mit einem wirklich niveauvollen Programm.

Stunksitzung unplugged, 11. September 2024, 20 Uhr, Halle. Infos und Tickets: