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Alles rund um die Halle 32 – darum geht es in unserem Magazin. 
Ausgewählte Geschichten aus der aktuellen Ausgabe gibt es hier. 

Jochen Malmsheimer: Übers Elternsein. Und über so viel mehr.

Uwe Lyko: Wie Herbert Knebel entstand – und mit ihm alt wurde

Karsten Dobermann: Alles für die Musik

Ensemble Persona: Alles zu "In 80 Tagen um die Welt"


Viel Spaß beim Lesen!

Wenn aus Kompost Blumenerde wird

Malmsheimer

Kabarett 
Mit „Halt mal, Schatz!“ hat Jochen Malmsheimer einen Dauerbrenner rund ums Elternwerden und Elternsein geschrieben. Damit ist er am 11. Juni 2026 in der Halle 32 zu Gast. Im Gespräch blickt er nicht nur aufs Vaterwerden zurück, sondern verrät, was Unterhaltung leisten kann und was nicht, warum er nur unter Druck funktioniert und wie ein neues Programm entsteht.

Es gibt Erlebnisse, die brennen sich für immer ein. Jede Sekunde, jede Minute, jeder einzelne Moment. Die Geburt eines Kindes ist so ein Erlebnis. Jochen Malmsheimer hat gleich zwei Geburten miterlebt, die seiner heute 25 und 29 Jahre alten Söhne. Seine Frau brachte sie zu Hause, in den eigenen vier Wänden, zur Welt. „Man sollte ja grundsätzlich nur über Dinge schreiben, bei denen man sich auskennt. Und den gesamten Vorgang der Geburt habe ich bei beiden Kindern in geradezu fotografischer Vehemenz im Kopf. Ich war vorher sicher, dass ich der Einzige sein würde, der ärztliche Hilfe brauchen wird, aber das war zum Glück nicht nötig“, erinnert sich der Kabarettist.  Das Wunder der Geburt, das Vatersein, das Kennenlernendürfen der eigenen Kinder und das Neu-Kennenlernen der Ehefrau – all das musste kreativ verarbeitet werden. Dass daraus einmal ein Buch und ein abendfüllendes Programm mit dem Namen „Halt mal, Schatz!“ werden würde und somit jener Dauerbrenner, mit dem Jochen Malmsheimer am  11. Juni in der Halle 32 gastiert, hat er damals nicht geahnt: „Ich habe das allein für meine Kinder geschrieben. Irgendwann bin ich gefragt worden, ob ich damit mal auftreten möchte – also machte ich das, und der Abend kam erstaunlich gut an. Das ist bis heute so geblieben.“ 

Kinder als Weltenretter von morgen Viele Eltern finden sich in Malmsheimers Geschichten wieder. Und, so überlegt er weiter, manche kinderlose Menschen fühlen sich möglicherweise darin bestärkt, dies auch zu bleiben. Zum Beispiel, wenn er von den Herausforderungen und der Arbeit berichtet, die ein Kind bei aller Wunderbarkeit nun mal auch mit sich bringt. „Aber natürlich plädiere ich dafür, dass nach dem Auftritt möglichst viele Menschen nach Hause gehen und sofort ein Kind machen, sofern ihr Alter das zulässt“, stellt Malmsheimer klar – und während sich hier noch kabarettistische Zuspitzung herauslesen lässt, wird er im nächsten Satz sehr ernst: „Ich bin der festen Auffassung, dass das Einzige, was die Welt retten kann, die Kinder sind, weil ich den Glauben an die Erwachsenen, insbesondere an meine Generation, verloren habe.“ Auf die Nachfrage, warum das denn so sei, wird er noch ein wenig ernster: „Was ist das für eine Frage? Schauen Sie mal aus dem Fenster, gucken Sie sich die Nachrichten an. Wir Menschen haben einen Kenntnisstand erlangt, der ausreicht, um mit allen großen Problematiken dieser Welt fertig zu werden, aber nichts davon ist passiert. Also, wenn einen das nicht erschüttert ...“

Aber bietet ihm, dem Künstler, unsere Weltlage mit all ihren Wahnsinnigkeiten nicht viele Themen für neue Programme? Davon hat Malmsheimer in den letzten Jahrzehnten schließlich einen ganzen Batzen geschrieben. Das mag stimmen, aber er glaubt nicht daran, dass die Kunst mehr bewirken kann als Unterhaltung und Zerstreuung. Und neue Wege könne sie nur begrenzt aufzeigen. „Ich habe einen Unterhaltungsauftrag, aber keinen Bildungs- und Erziehungsauftrag. Dem versuche ich so gut wie möglich nachzukommen. Dass das auch mal Frustration mit sich bringt, liegt innerhalb des Auftrags.“ So geschäftsmännisch das rüberkommt, so pointiert klingt es auch, was natürlich an Jochen Malmsheimers begnadeter Fähigkeit liegt, Sprache messerscharf zu benutzen. Dazu kommt: „Ich habe mir angewöhnt, nachzudenken, bevor ich was sage. Das ist immer gut.“

Flüche, Verwünschung, Schreibprozess Seinen Wortschatz hat er durch jahrzehntelanges intensives Lesen so erweitert und gleichsam verfeinert, dass er druckreife Antworten nicht nur rasend schnell, sondern auch präzise wie ein Uhrwerk abfeuern kann. Das klingt mal weise, mal weitsichtig, mal bewusst plakativ und gleichsam poetisch: „Ich bin wie eine Komposttonne. Man wirft oben Abfälle rein, die setzen sich dann, und irgendwann kommt unten eine Blumenerde raus. Wenn das so weit ist, schreibe ich es auf.“ Bevor es so weit ist und ein neues Programm entsteht, kommen jedoch Flüche und Verwünschung. Denn während die kabarettistische Blumenerde reift, macht sich Jochen Malmsheimer schon längst keine Notizen mehr, er sammelt nur in seinem Kopf. Irgendwann ruft dann aber die Agentur an und sagt sinngemäß: So, der nächste Premierentermin steht, langsam könntest du mal loslegen. Bedeutet: Druck. Jochen Malmsheimer hat zwar gelernt, dass er nur unter Druck funktioniert, aber erst mal lässt er das Fluchen und Verwünschen zu. Und schließlich sammelt er sich: „Dann hole ich meinen Wohnwagen aus der Scheune. Der hat eine Aluminiumhaut, da drin bin ich also komplett offline. Dann schreibe ich. Und das klappt wunderbar.“

Steht das Programm, wird es trotzdem noch zweimal hart für ihn. Zuerst stellt er sich mit den neuen Texten seiner Frau. Er schafft dafür eine komplett spaßbefreite Atmosphäre, denn er läuft mit seinem Text in der Hand ständig vor ihr auf und ab: „Wenn sie dann zumindest hier und da mal lächelt, kann ich sicher sein, dass das Publikum toben wird.“ Aber weil er das natürlich nicht hundertprozentig weiß, muss er auch die Premiere überstehen, was er jedes Mal grauenhaft findet. Bis zu jenem Moment, da er die Reaktionen des Publikums bewusst wahrnimmt und einmal mehr feststellt: „So furchtbar finden die das gar nicht. Ab der zweiten Vorstellung beginnt dann der Spaß. Und der dauert an.“   

Foto: Jochen Malmsheimer

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Dann war Herbert da. Und blieb.

Knebel
Musikkabarett

Beim Improvisieren schuf Uwe Lyko im Jahr 1988 fast beiläufig die Kunstfigur Herbert Knebel. Diese war und ist seitdem nicht nur ein fester Teil deutscher Humorgeschichte, sondern auch des „Affentheaters“ – und längst Kult. Davon dürfen sich die Gummersbacher am 27. Juni 2026 in der Halle 32 bei „Voll Karacho“ überzeugen.

Dass der Mann in diesem Jahr 72 Jahre alt wird, ist seiner echten Stimme nicht anzumerken. Paradox eigentlich, spielt Uwe Lyko doch seit bald 40 Jahren regelmäßig einen Rentner. Vielleicht den berühmtesten in ganz Deutschland: Herbert Knebel. Als er ihn erfunden hat, war Lyko erst Mitte dreißig. „Es gab dafür kein Vorbild. Die Figur entstand beim Improvisieren. Nach und nach wurde mir klar, welche Stimme sie haben sollte, welchen Gestus, und dass es ein Rentner sein musste, so um die 63 Jahre. Ich war viel jünger, also zog ich eine zu große Hose und Jacke an, setzte eine Brille auf, dazu die Mütze. Bei den ersten Auftritten lachten sich die Leute kaputt, und ich dachte: Da kann was draus werden, da bleibst du mal dran“, erinnert sich Uwe Lyko an die Anfänge.  Die Erlebnisse des Ruhrpöttlers, der seine Herkunft mit keiner Silbe verhehlen kann und will, seine oft überzeichneten, aber nie veralberten Gedanken zum Weltgeschehen, die bewusst falsche Aussprache von Fremdwörtern sowie längst ikonische Redewendungen („Boah, glaubse ...“) haben Herbert Knebel zum Kult gemacht.

Solo ist Knebel nicht mehr zu haben

Von Beginn an dabei war gleichzeitig die mit ihm vierköpfige Kombo, das Affentheater. Auch wenn Lyko zwischenzeitlich auf der Bühne, im Radio und Fernsehen als Herbert Knebel solo auftrat, hat er die Figur doch immer als Teil der Band gesehen. Heute gibt es Knebel nur noch mit ihr oder gar nicht. Der Künstler blickt noch einmal zurück: „Anfang der 1990er Jahre wurde das Affentheater immer bekannter. Auch, weil das sehr außergewöhnlich war. Wir waren und sind in der Musik ja nicht auf ein Genre festgelegt. Wir bauen Coverversionen von Songs ein, zu denen wir eine Idee haben, machen das, was wir selbst witzig finden und legen natürlich großen Wert darauf, dass sich das Publikum mit den Geschichten identifizieren kann, die wir erzählen.“ Uwe Lyko spricht bewusst von einem Wir, weil nicht nur die Performance selbst, sondern auch das Schreiben von Texten und Pointen eine Teamarbeit ist. 

Was sich dabei manchmal zeigt, ist die persönliche Empfindung, die Lyko für die Figur Herbert Knebel mit den Jahren entwickelt hat: „Ich glaube, die muss man auch haben. Er ist ja ungewollt anarchistisch, sehr auf Gerechtigkeit bedacht und mitnichten ein Spießer. Es kommt beim Schreiben schon mal vor, dass ich ihn verteidige und sage: Nee, das würde der Herbert so nicht ausdrücken.“ Ab und an passiert es Lyko übrigens, dass sich eine Knebel-Floskel in seiner Alltagssprache verirrt. Was beide eint, sei zudem eine gewisse Ungeduld.

Ein Rentner, der Freiheiten schenkt

Während Herbert Knebel zeitlos bleibt, hat sein Schöpfer ihn altersmäßig längst überholt. Für Lyko ein ganz natürlicher Prozess, zumal er sich und seiner Figur treu geblieben ist: Früher hat er bei den Affentheater-Auftritten oft mehrere andere Rollen verkörpert, heute bleibt er fast ausschließlich in der des Herbert Knebel. Weil sich herauskristallisiert hat, dass er damit seine Ideen und Geschichten am besten transportieren kann. „Ich habe mit Knebel relativ viele Freiheiten, die andere Comedians so vielleicht nicht haben: Ich kann singen, Gitarre spielen, tanzen, Ukulele spielen, die abstrusesten Sachen erzählen ...“, zählt Lyko auf.  Er betont gleichsam, dass sich über die Jahre zwar das Bewusstsein dafür geschärft habe, wie man je nach Thema was überbringt – dass es aber heute generell nicht mehr Tabus gebe als früher: „Die Diskussion nach dem Motto, man dürfe ja nichts mehr sagen, halte ich für völligen Quatsch. Wir leben ja nicht in einer Diktatur.“

Wie kommt es eigentlich, dass Herbert Knebel mit seinem Ruhrpott-Slang bundesweit so gut ankommt? „Der Slang ist ja dem Hochdeutschen sehr verwandt, also überall verständlich – und wir behandeln Themen, die überall spielen und relevant sein könnten“, erklärt es Uwe Lyko. Nach bald 40 Jahren immer wieder neu kreativ werden, ohne sich zu wiederholen, das sei gleichsam eine Herausforderung. Zumal Herbert Knebel ja schon zu allem Möglichen seine Meinung kundgetan hat. Im Programm „Alles Karacho“ wird er das in Gummersbach unter anderem zu Verhütung im Alter, kuriosen Spieleabenden mit Bekannten und all den Zipperlein machen, die man als Rentner nun mal so hat.  Eingebettet ist das in eine Musikshow, deren Sound sich deutlich verändert hat: Ein neuer Schlagzeuger ist an Bord, nachdem Detlef Hinze alias „der Trainer“ die Drumsticks an den Nagel gehängt hat. Sein Nachfolger macht, ebenso wie die zwei neuen Bläser (Posaune und Trompete), die von den Popolskis ins Affentheater gewechselt sind, ausschließlich Musik und keine Comedy. So ist das Affentheater im Jahr 2026 eine Mischung aus Bewährtem und Neuem mit einem Rentner-Original, das sich treu geblieben ist. So wie Uwe Lyko selbst, der längst nicht ans Aufhören denkt: „Wer weiß, vielleicht ist Herbert Knebel ja irgendwann mal mein Sohn ...“

Foto: Thomas Willemsen/Lokomotiv Stadtlohn

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„Ich werde dafür immer alles geben“

Konzert 
Er lebt für die Musik. Für seine Bigband. Für das Trompete spielen. Und natürlich für die Gummersbacher Philharmoniker, die er vor 31 Jahren gegründet hat. Im Interview blickt Karsten Dobermann auf das Gestern und das Heute. Und auf das Konzert „Visions“ am 20. und 21. Mai in der Halle 32.

Herr Dobermann, bitte einmal kurz auf Anfang: Warum gründet man in Gummersbach ein Orchester?
Als ich 1991 nach Gummersbach kam, gab es hier das Kreisorchester. Ich hatte gerade meine Kapellmeisterausbildung abgeschlossen und begann an der Musikschule, Unterricht zu geben. Zwei Jahre später habe ich zuerst die MGM Big Band gegründet. Dann kam der Wunsch auf, dass junge Menschen, die an der Musikschule in klassischer Musik ausgebildet werden, auch vor Ort in einem passenden Orchester spielen möchten. So gründeten wir das Jugend-Sinfonie-Orchester.  Wie ging es dann weiter? Ich springe mal ins Jahr 2000. Damals machten wir mit Martin Kuchejda eine Kinder-Oper, und das Orchester stand erstmals auf eigenen Beinen – nun als das junge Sinfonie-Orchester. Die Musikerinnen und Musiker waren dann bald keine Jugendlichen mehr, sie studierten, starteten in den Beruf, gingen teils weg, kamen aber wieder und spielten weiter bei uns. So dass wir heute von einem semiprofessionellen Orchester sprechen können, dessen Ansprüche mit der Zeit immer größer geworden sind. Weil wir alle Genres bedienen, wie Musical, Oper, Filmmusik und Klassik, fanden wir: Da ist die Philharmonie nicht mehr weit. So haben wir uns 2014 in Gummersbacher Philharmoniker umbenannt. 

Welchen Stellenwert haben die  Philharmoniker für Sie persönlich? 
Sie nehmen im positiven Sinne mein ganzes Leben ein, zumal meine Frau die Konzertmeisterin ist und alle meine drei Kinder im Orchester mitspielen. Ich habe viele enge Verbindungen zu den Musikern, es haben sich Freundschaften gebildet. All das braucht meine ganze Aufmerksamkeit. Man kann nur miteinander Musik machen, wenn man sich gegenseitig respektiert. Und ich weiß: Ich muss und werde dafür immer alles geben.  Insgesamt muss ich sagen: Ich lebe das mit allem, was dazugehört. Und das ist neben dem Musikmachen natürlich auch viel Organisation. So fahren wir zum Beispiel mit über 80 Musikerinnen und Musikern nach Schmallenberg in die Musikakademie zum Proben – ergänzend zu den wöchentlichen Terminen am Dienstagabend. Je näher die Premiere eines Stückes rückt, desto länger werden die Proben. Das gilt auch für die Big Band. Dass deren Mitglieder auch bei den Philharmonikern spielen, macht es uns übrigens leicht, diese auch für Rock und Pop zu öffnen. 

Wie gelingt Ihnen die Gratwanderung zwischen der freundschaftlichen Verbindung zu den Ensemblemitgliedern – und der Strenge und Disziplin, die Sie ja auch walten lassen müssen? Denn Sie arrangieren und dirigieren die Konzerte.
Das geht nur mit grenzenlosem gegenseitigem Vertrauen. Die Musiker bringen es mir entgegen, denn sie müssen sich ja von mir kontrollieren lassen. Man darf dabei nicht vergessen: Da sitzen hochgebildete Akademiker, Ärztinnen, Rechtsanwälte, Manager in hohen Positionen, die im Arbeitsalltag selbst Entscheider sind – und die sich dann im  Orchester unterordnen. Sie ergeben sich bewusst der Musik, und ich darf das kontrollieren. Ich sage bewusst: darf. Klar, wenn sich jemand zum dritten Mal an derselben Stelle verspielt, dann korrigiere ich auch schon mal in einem bewusst scharfen Ton, aber sachlich. Und das nimmt mir keiner übel.

Ganz gleich ob als Solist – Sie spielen seit 40 Jahren Trompete – oder mit den Ensembles: Nach all den Proben kommt immer wieder der eine Moment. Das Konzert beginnt. Was geht da in Ihnen vor? 
Ich bin vom Herrgott damit gesegnet, keinerlei Nervosität zu spüren. Den Musikern sage ich immer: Ich muss jetzt nur noch hier vorne performen, und den Rest macht ihr. Und wenn es irgendwo haken sollte – ich bin immer da und hole die Kohlen aus dem Feuer. Ich stehe hier, um euch mit eurer Energie, die ihr jetzt auf die Bühne bringt, durch den Abend zu führen. Gleichzeitig bin ich auf der Bühne immer von großem Stolz erfüllt, dass man sich nun den Lohn der langen Arbeit abholen kann. Die Konzepte zu den Konzerten entstehen meist ein bis zwei Jahre vorher.

So auch das zu „Visions“ am 20. und 21. Mai. Was darf das Publikum erwarten?
Es geht um die Vision, die man mit Musik ausdrücken möchte. Das Programm ist sehr vielfältig. Aus der Klassik ist zum Beispiel der Satz „Der Gang zum Schafott“ aus der Symphonie fantastique von Hector Berlioz dabei. Hier geht es um einen jungen Künstler, der träumt, seine Geliebte ermordet zu haben, was ihm im wahren Leben zum Verhängnis wird. Wir werden uns auch wieder vielen Musiken aus Filmen widmen, unter anderem aus Armageddon, The Da Vinci Code und Back to the Future. Der Traum vom Zeitreisen, mehr Vision geht ja kaum. 

Blicken wir einmal voraus: Gibt es nach 40 Jahren auf der Bühne ein Projekt, das Sie unbedingt noch machen wollen?
Ja, und wir sind bereits dabei: Wir bringen im Herbst gemeinsam mit Martin Kuchejda und Bastian Ganser mit Donizettis „Don Pasquale“ eine komplette Oper auf die Bühne.  Es ist eine Kooperation mit der Halle 32.  Eine Oper ist die Königsklasse des Dirigierens, weil es alle Techniken vereint. Sie haben die Solisten, den Chor, das Orchester – und als Dirigent die Funktion eines Mittlers, Das ist das Anspruchsvollste, was man machen kann. Das rundet mein Berufsleben wirklich ab. Gleichzeitig weiß ich: Ich möchte das alles noch lange machen. Ich bin sehr leidenschaftlich, und wenn etwas in mir geweckt wird, gehe ich voll darauf ein. Da fällt mir ein, was ich gerne auch mal machen würde, weil ich wirklich für alle Musikrichtungen offen bin: Echten Heavy Metal mit einfließen lassen! Am besten zusammen mit einer professionellen Metal-Coverband, die dann gemeinsam mit den Philharmonikern auftritt.

Foto: Torsten Veit

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Philea hat‘s eilig

Theater 
Das Ensemble Persona bringt den Jules-Verne-Klassiker „In 80 Tagen um die Welt“ als mitreißendes Zirkusabenteuer auf die Bühne. Der Regisseur und künstlerische Leiter des Ensembles, Tobias Maehler, und Darsteller Yannick Zürcher, der den Diener Passepartout spielt, verraten im Interview mehr über dieses Highlight zum Abschluss der laufenden Bühne-32-Theatersaison.

Herr Maehler, wie bringt man eine Geschichte, in der es um die Wette geht, in 80 Tagen die ganze Welt zu bereisen, auf eine Theaterbühne?
Tobias Maehler: Wichtig war, nicht der Gefahr zu erliegen, dass man sich hier einen naturalistischen Druck aufbaut, sondern die eigene Phantasie und die der Zuschauer nutzt. Und das auf analoge Weise, mit echten Kulissen und ohne KI. Deshalb haben wir uns entscheiden, das Ganze als zirzensisches Schauspielspektakel zu inszenieren. Das Zirkus-Setting, das Revueartige mit Musik und Artistik, ermöglicht es uns, das Tempo hochzuhalten. Zudem hat Sören Voima als Autor dieser Fassung des Stoffes eine tolle Vorlage geliefert. Es wirkt wie eine aufregende Parabel auf all das „Höher, Schneller, Weiter“, das mit der Industrialisierung noch viel stärker in die Welt kam als davor.

Inwiefern?
Tobias Maehler: Man kann im ständigen Höher, Schneller, Weiter einen technischen Fortschritt entdecken, läuft aber Gefahr, dadurch das Gegenwärtige zu verpassen. So gehen unsere Figuren im immer schnelleren Zeitstrudel bald verloren.

Dadurch wird Ihr Stück gleichzeitig sehr aktuell. Herr Zürcher, das Verlorengehen betrifft ja vor allem den von Ihnen gespielten Diener Passepartout. Können Sie das näher erläutern?
Yannick Zürcher: Passepartout ist underclass, er hat schon viele Jobs hinter sich. Ein Allrounder, der nun engagiert wird, mit auf die Reise um die Welt zu gehen. Er macht also einfach mal mit, merkt dann, dass ihm alles viel zu schnell geht, dass er nicht mehr mitkommt mit dem Tempo – und er hat keine Gelegenheit, auf Stopp zu drücken. 

Für Sie als Schauspieler sicher schauspielerisch wie körperlich herausfordernd.
Yannick Zürcher:
 Ja, ich bin nach jeder Vorstellung nass geschwitzt. Aber auch die anderen Darsteller, die ja zum Teil bis zu zehn Rollen spielen – und wenn es nur ein Tisch oder ein japanisches Stehpult ist – sind ständig in Bewegung. Auch wenn wir nicht jeden Schauplatz des Buches abbilden können, so geht diese Reise während der zwei Theaterstunden doch über die ganze Route. Was konkret bedeuten kann: Drei Minuten von Italien nach Suez, 15 Minuten im Zug durch Indien, dann wieder für drei Minuten woanders hin. Neben Anja Neukamm, die die Philea Fogg spielt, habe ich als Einziger alle bislang knapp 80 Vorstellungen mitgemacht. Da die restliche Besetzung – wie im Ensemble-Theater üblich – auch mal wechselt, ebenso wie die beiden Musiker, ist es immer wieder anders. Anja und ich sagen uns daher: Wenn wir die Anfangsszene, in der viele Zahlen und Fakten genannt werden, geschafft haben, wird es entspannter. Und doch ist jeder Abend das Ergebnis von technischer Finesse, Timing und Exaktheit im Spiel.

Sie sprachen es an: Anders als im Buch und den Filmen ist die Hauptfigur weiblich. Aus Phileas ist Philea geworden. Wie kam es dazu, Herr Maehler?
Tobias Maehler: Ich hatte mit Anja Neukamm zuvor „Ein Sommernachtstraum“ inszeniert, da war sie ein ganz fantastischer Puck. So kamen wir im Vorgespräch zu „In 80 Tagen um die Welt“ auf die Idee, dass sie die Figur der Philea spielt. Diese hat auch etwas Teuflisches an sich, das stellt Anja wunderbar heraus. Zudem ist die Figur eine Allegorie, sie steht für Fortschritt, Technik und die Zeit. Da ist es egal, welches Geschlecht sie hat. Und was Anja mit ins Stück hineingebracht hat: Sie ist ein großer Steampunk-Fan. Viele Stilelemente gehen auf diese Passion zurück. 

Yannick Zürcher: Ich kenne nur Adaptionen des Stücks, in denen eine Frau den Passepartout gespielt hat. Und ich finde es sehr konsequent, dass wir es umgekehrt machen.

Tobias Maehler: Ganz fantastisch ist auch die Selbstverständlichkeit, mit der das bei Publikum und Kritik ankommt. Nicht ein einziges Mal hat jemand auch nur annähernd kritisiert, dass es bei uns eine Frau ist, die mit ihrem Diener um die Welt reist.

Fotos: Bernt Haberland

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