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Alles rund um die Halle 32 – darum geht es in unserem Magazin. 
Ausgewählte Geschichten aus der aktuellen Ausgabe gibt es hier. 

Viel Spaß beim Lesen!

Fünf Richtige

Alte Bekannte

Konzert.  
Alte Bekannte bringen weit mehr auf die Bühne, als der Begriff A-cappella vermuten lässt. Im November sind sie zum zweiten Mal in Gummersbach zu Gast. Und zum letzten Mal: Denn Ende 2027 hören sie auf. Also noch einmal lauschen. Den großartigen Stimmen. Den pointierten Texten. Und den Geschichten dahinter.

Es braucht nicht viel. Fünf Stimmen. Fünf Mikrofone. Licht an. Los. Kein Klavier, hinter dem man sich verschanzen könnte. Keine Gitarre, um die Finger zu beschäftigen. Kein schepperndes Schlagzeug. Und doch sind Gitarrenklänge, Drums und Percussion zu hören. Nur kommen sie aus fünf Mündern. Alte Bekannte, 2017 als  A-capella-Nachfolgeband der legendären Wise Guys entstanden, haben längst ihren eigenen Ton gefunden – stehen aber auch auf der aktuellen Tour zum Album „Mehr!“ ganz bewusst zu ihrer Vorgeschichte. Denn natürlich werden im Publikum sowohl Fans von Alte Bekannte sitzen, als auch jene der Wise Guys. Und der eine oder andere Song der Weisen wird sicher auch zu hören sein.

Bariton, Falsett-Tenor, Bass und Tenor – die Stimmlagen von Clemens Schmuck, Daniel „Dän“ Dickopf, Ingo Wolfgarten, Friedemann Petter und Björn Sterzenbach ergänzen einander perfekt. Letzterer ist bei Alte Bekannte nicht nur für Tourplanung, Booking und Marketing zuständig, sondern auch einer von drei Beatboxern. Sprich: Er singt nicht nur, sondern sorgt auch für den Rhythmus. Hat der Mann ein angeborenes Mund-Schlagzeug-Gen? Nein, antwortet er: „Im Grunde kann das jeder lernen. Und das, kein Witz, am besten im Badezimmer, möglichst unter der Dusche. Da hallt es am besten.“ Wohl gemerkt: dreimal Beatboxen unter der Brause ist maximal der Einstieg: „Die richtige Technik ist das A und O, und es dauert Wochen, um einen bestimmten Sound zu finden. Also üben, üben, üben“, erklärt Björn Sterzenbach. Die richtige Atemtechnik und die Millimeterarbeit von Lippe und Zunge machen den Unterschied aus. Scheinbar durch Zufall ist er plötzlich da, dieser eine Ton, nach dem man gesucht hat. Jetzt heißt es: festhalten, wiederholen und das richtige Timing lernen, damit der eine Beat für einen dreieinhalb Minuten dauernden Song wie ein Uhrwerk abgespult werden kann: „Du bist ja dann das Instrument. Und das muss songdienlich sein.“ Die Geschichten hinter den Songs

Überhaupt: die Songs. Sie entstehen auf unterschiedliche Weise. Dän, auch bei den Wise Guys schon Hauptsongschreiber, bringt häufig ziemlich weit entwickelte Stücke mit, andere Bandmitglieder werfen eine Demo in die Runde und sagen sinngemäß: Hier sind meine 60 Prozent – Feuer frei. Danach wird gemeinsam getüftelt. Oft fließen eigene Erlebnisse in die Stücke ein, ganz gleich, ob es um Liebe und Freundschaft geht oder um nervigen Social-Media-Konsum. Im Studio steht meist kein ganzes Quintett vorm Mikrofon. Jeder nimmt einzeln auf, um mehr Klangbreite zu erzeugen.

Auf der Bühne gibt es natürlich fünf auf einen Streich, und das pur. Keine Loops, keine technische Vervielfältigung, nur eine Lichtshow. Klar, dass Alte Bekannte gerade im Herbst peinlich genau auf ihre Stimmen achten müssen. Viel trinken, genug schlafen, gesund und vitaminreich essen, sich vor Erkältungen so gut schützen wie möglich. Die Show, bestehend aus zwei Sets mit je einer Stunde, ist so gut durchgeplant, dass ein Ausfall nicht alles, aber einiges über den Haufen werfen würde. So oder so: Es bleibt bei den Konzerten immer auch Zeit für die Geschichten hinter den Songs. Björn Sterzenbach mag das sehr: „Dann ist es der Mensch, der erzählt, nicht der Songwriter, nicht der Beatboxer.“ Weil auch zwischen den Songs der Witz regiert, ist die Grenze zur Kleinkunst nicht weit. 

Was leider ebenfalls nicht mehr weit ist: Das Ende von Alte Bekannte. Wer das Konzert in Gummersbach verpasst, bekommt dort keine zweite Chance mehr. Die Abschiedstour mit einem Best-of-Set ist für das Jahr 2027 schon geplant, die letzte Show in Berlin ebenfalls. Damit und auch mit den Gründen geht die Band sehr offen um. Dän Dickopf berichtet auf Social Media schon von neuen Musikplänen – unter anderem schreibt er auch Kinderlieder. Friedemann Petter bleibt der Branche ebenfalls erhalten. Für die drei anderen, darunter Björn Sterzenbach, steht fest – das war es dann erst mal mit der Zeit als Profimusiker: „Nach der Pandemie ist das Tourleben deutlich teurer geworden. Da stellt sich die Frage: Wollen wir weitermachen oder machen wir mal etwas völlig anderes?“ Alte Bekannte haben ihre Antworten gefunden.

Für Mehr! noch mal alles geben

Wenn Björn Sterzenbach laut darüber nachdenkt, wird deutlich: Natürlich schwingt auch Wehmut mit. Klar werden Alte Bekannte die Bühne vermissen. Und genau deshalb werden sie in diesem Herbst und im kommenden Jahr noch einmal alles geben. Mit der Mehr!-Tour in Gummersbach. Und dann auf ihrer Abschiedstournee. Wenn das Licht angeht und die fünf Künstler wissen: „Das fühlt sich wieder richtig gut an.“

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Foto: Anna Horn

Eine Oper für alle


Oper.
 
Internationale Solisten, ein Chor aus Wipperfürth und mittendrin die Gummersbacher Philharmoniker: Mit Donizettis „Don Pasquale“ wird die Halle 32 am 18. und 19. November zum Opernhaus. Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Ganz nach dem Motto: Wir machen Musik von Bürgern für Bürger.

Genau 807 Seiten. So dick ist die Partitur von Gaetano Donizettis „Don Pasquale“. Karsten Dobermann kennt jede einzelne Seite. Seine Frau, erzählt der Gründer und Leiter der Gummersbacher Philharmoniker, habe ihn über Monate vor allem von hinten gesehen: am Schreibtisch sitzend, denn er hat jede einzelne der deutschen Textsilben in die Partitur übertragen. Seit November 2025 arbeitet er daran, seit Mai probt das Orchester. Zwei Aufführungen, zweieinhalb Stunden Musik – und davor ein Jahr Arbeit. „Das muss man wollen“, sagt Dobermann. 

In Gummersbach wollen es viele. Die allererste Opern-Idee entstand 2022. Gemeinsam mit Martin Kuchejda überlegte Karsten Dobermann damals, was die Philharmoniker demnächst auf die Bühne bringen könnten. Eine Oper war sein Wunsch, nur musste sie für sein Orchester auch machbar sein. Mozarts „Entführung aus dem Serail“ wurde zum ersten Versuch – und zum großen Erfolg. Die Halle 32 war mehrmals rappelvoll. Warum also nicht noch einmal?

„Die Gummersbacher haben es verdient, dass hier Musik von Bürgern für Bürger gemacht wird“, sagt Dobermann. Genau darin steckt der Kern des Projekts. Nicht Oper als exklusiver Kulturabend mit entsprechender Eintrittskarte, sondern „Oper für alle“. Der Eintritt für die beiden Aufführungen am 18. und 19. November, jeweils um 20 Uhr, ist frei, am Ausgang wird gesammelt. Und mit einer großzügigen Spende, auch das sagt Karsten Dobermann, dürfen die Besucher ihre Wertschätzung ergänzend zum Applaus gerne nochmal ausdrücken. Oder, wie er es von  der Bühne aus schon oft formuliert hat:  „Wir hören es lieber rascheln als klimpern.“

Alter weißer Mann bekommt Fett weg

Allzu ehrfürchtig muss man dem Abend ohnehin nicht begegnen. „Don Pasquale“ ist eine lustige Oper – und ihre Geschichte erstaunlich zeitgeistig. Da wäre zunächst der titelgebende Don: reich, geizig, älter, Junggeselle und ausgesprochen überzeugt von sich. Weil sein Neffe Ernesto die aus seiner Sicht falsche Frau liebt, will Pasquale ihm das Erbe entziehen und kurzerhand selbst heiraten. Dr. Malatesta hilft vermeintlich bei der Brautschau. Tatsächlich schiebt er dem Möchtegern-Frauenhelden aber ausgerechnet Ernestos Geliebte Norina unter. Sie spielt die schüchterne Sofronia, verwandelt sich nach der Scheinhochzeit aber gewaltig. Kurz gesagt: Ein alter weißer Mann hält sich noch einmal für unwiderstehlich und gerät an die falsche Frau. 

Donizetti schrieb die Oper 1842, uraufgeführt wurde sie 1843 in Paris. In Gummersbach werden die Zuschauer eine nochmal lustigere Fassung zu sehen und zu hören kriegen. Regie führen Martin Kuchejda und Bastian Ganser, also der ehemalige und der heutige Leiter der Halle 32. Beide wollen die Komik bewusst herausarbeiten: mit leichtem Slapstick, Running Gags und reichlich Witzen auf Kosten des Dons. Die ursprünglich gesungenen Rezitative wurden dafür in deutsche Dialoge verwandelt, sie werden also gesprochen. Bastian Ganser hat zudem zusätzliche Szenen geschrieben. 

Die vier großen Gesangspartien übernehmen internationale Opernprofis: Hans-Arthur Falkenrath singt Don Pasquale, die südkoreanische Sopranistin Seongjoo Cho dessen vermeintliche Braut Norina, Ulf Dirk Mädler den Strippenzieher Dr. Malatesta und Gastón Efficace den Neffen Ernesto. Peter Kröner übernimmt die Sprechrolle des Notars. Bariton Mädler studierte am Salzburger Mozarteum, gehörte acht Jahre zum Ensemble des Theaters Magdeburg und gastierte unter anderem an den Staatsopern in Hamburg, Prag und Berlin. Karsten Dobermann kennt die Sängerinnen und Sänger aus langjähriger Zusammenarbeit, und für die Besetzung bei Don Pasquale waren seine Kontakte sehr wertvoll. 

Er weiß: Bei einem Projekt, dessen Beteiligte nur an wenigen Tagen tatsächlich gemeinsam proben können, muss die Chemie stimmen. Das tut sie, ebenso wie die Professionalität: „Die Solisten haben mehr Opernerfahrung als wir alle zusammen.“ So kommt für zwei Abende die internationale Opernwelt nach Gummersbach. Gleichzeitig bleibt das Fundament ausgesprochen oberbergisch. Im Orchester sitzen die Gummersbacher Philharmoniker, im Chor stehen Sängerinnen und Sänger von VoxMusica aus Wipperfürth unter Leitung von Tilman Ruffler. Damit wird „Don Pasquale“ auch zu einem städteübergreifenden Gemeinschaftsprojekt.

Tragende Säule: die Philharmoniker

Karsten Dobermann arbeitet bereits seit 2015 mit VoxMusica zusammen. Der Chor sei altersmäßig bunt gemischt, offen, engagiert und vor allem ausgesprochen spielfreudig. Davon konnte sich auch Bastian Ganser überzeugen, der seit Mai mit den Wipperfürthern probt: „Einen so motivierten Chor, eine so großartige Stimmung habe ich selten erlebt.“ Die Chormitglieder übernehmen auch Statistenrollen, bewegen sich mitten im Geschehen und lockern die Szenen auf. 

Im Mittelpunkt stehen für Dobermann die Gummersbacher Philharmoniker selbst. Monatelang arbeiteten die Musikerinnen und Musiker an einem Werk, bei dessen Aufführung sie später größtenteils gar nicht zu sehen sein werden. „Ohne diese Menschen wäre das überhaupt nicht möglich“, sagt der Dirigent. Für ihn stehen sie deshalb sinngemäß, wenngleich sie an den Opernabenden im Hintergrund sitzen werden, „ganz oben auf dem Siegerpodest“. 

Wie aufwendig das gesamte Projekt ist und wie wichtig das Timing, zeigt der Probenplan. Es gibt Workshops für die einzelnen Gruppen, ein großes Orchesterwochenende – und erst ganz am Ende kommen alle zusammen. Ganze zwei gemeinsame Probentage bleiben dem kompletten Ensemble inklusive Solisten. 

Einer in der Aula des Moltke-Gymnasiums, die Generalprobe dann auf der Bühne der Halle 32. Karsten Dobermann weiß: „Das wird reichen, weil wir alle hervorragend vorbereitet sind.“ Auf einen Abend, der den Gummersbachern im Gedächtnis bleiben wird. Weil er langjährige Opernfreunde  begeistert. Und neue erreicht.

Die Förderer der Opernabende
Sparkasse Gummersbach 
Verein zur Förderung  der Kultur in Gummersbach 
Sparkassen- und Bürgerstiftung  für Gummersbach
Kulturstiftung des Rheinischen Sparkassen- und Giroverbandes
Schirmherr ist Bürgermeister Raoul Halding-Hoppenheit

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Bescherung mit dem Meister


Konzert.

Mit seiner Show „Weihnachten mit Guildo“ kehrt Guildo Horn am 13. November 2026 zurück in die Halle 32. Vorab erzählte uns der  Meister, warum er seit über 30 Jahren so viel Spaß auf der Bühne hat,  was ihn erdet und weshalb das Fest der Liebe das schönste von allen ist.

Sie haben sich mal als „Genre-Tourist“ bezeichnet: Schlager, Rock, Musical, Operette, Radio, Fernsehen, Mitsingkonzerte. Gibt es hinter all diesen Ausflügen einen musikalischen Kern, bei dem Sie sagen: Das bin wirklich ich? 
Guildo Horn: Ich liebe Musik, vor allem das Musizieren, weil man sich da so herrlich in sich selbst und den Moment versenken kann. Also stürze ich mich mit allem, was ich habe und bin ins musikalische Abenteuer. Die Stilrichtung ist dabei gar nicht so entscheidend. Mal vegetarisch, mal steakversessen. Das Leben ist ein großes Abenteuer, und ich bin extrem neugierig und begeisterungsfähig. Ach ja: Tief in meinem Kern sehe ich eine Mischung aus Deep Purple und Peter Alexander. 

 Seit einigen Jahren moderieren Sie die „Diskothek im WDR“, gleichzeitig bringen Sie bei „WDR 4 sing(t) mit Guildo“ ganze Säle gemeinsam zum Singen. Und auch bei Ihrer Weihnachtsshow ist Mitsingen ausdrücklich erwünscht. Was passiert mit Menschen, wenn sie zusammen singen?
Singen, vor allem in einer Gruppe, pustet uns die Seele durch und befreit uns vom Alltagsstress. Kein nach vorne und hinten denken. Im Optimalfall vergisst du Raum und Zeit und bist nur da, wo du gerade bist, damit du morgen wieder kraftvoll zubeißen kannst! 

Ihre Bühnenfigur lebt seit jeher auch von Übertreibung, Kitsch und Selbstironie – wirkt dabei aber nie zynisch. Liegt hier ein Geheimnis von Guildo Horn: Sie machen sich über vieles lustig, aber nicht über die Menschen – weil Sie sie lieben? 
Nur weil man auf der Bühne steht, ist man nichts Besonderes. Wichtig ist die Fähigkeit, dich nicht selbst zu ernst zu nehmen und auch über sich selbst lachen zu können. Obendrauf mag ich Menschen und sehe mich eher als Teil des Konzertabends, denn als abgehobener Superstar. Das ist alles nur Teil der Inszenierung. Eitelkeiten haben in meinem Beruf nix verloren. Unterm Strich ist es halt „nur Musik“. Nicht weniger, aber auch nicht mehr!

Hinter Guildo Horn steckt Horst Köhler. Sie sind Diplom-Pädagoge, der lange mit Menschen mit Behinderung gearbeitet hat und sich bis heute für Inklusion engagiert. Was macht diese Arbeit aus und was bedeutet sie Ihnen? Und wie viel „Guildo“ spielt dabei eine Rolle?
Über die Jahre ist aus der Kunstperson Guildo Horn eher ein Hybrid geworden. Klar, auf der Bühne bin ich on, da brenne ich, da bin ich heiß, da will ich abliefern, da will ich meinen maximalen Spaß. Zu Hause bin ich ne gute Ecke ruhiger und muss vor allem nicht immer im Mittelpunkt stehen. Ohne meine Arbeit mit geistig behinderten Menschen hätte es die Person Guildo in dieser Form nicht gegeben. Von diesen „Guildomachern“habe ich gelernt, wie man geschmeidig im Hier und Jetzt agiert. Zuviel denken, planen und bewerten steht oftmals im Weg zu einem erfüllten Leben.

Sie stehen mit über 60 voller Energie auf der Bühne. Wie hat sich Ihr Verhältnis zum Älterwerden verändert?
Ich guck nicht so oft in den Spiegel, aber wenn ich´s tue, fällt selbst mir auf: „Da tut sich was! Vor allem unterhalb des Halses.“ Ich nenne es die Erosion der Zeit. Aber keine Panik, statistisch gesehen kommt dieser Zustand irgendwann einmal auf uns alle zu. Also, Älterwerden: Ich pfeif drauf! Meine innere Software hat sich wenig verändert, oder ich merke es schlichtweg nicht.

„Weihnachten mit Guildo“ ist Tradition. Wann haben Sie gemerkt: Das gehört für viele Menschen zur Vorweihnachtszeit? 
Vor über 30 Jahren haben wir, die Musiziergemeinschaft der Orthopädischen Strümpfe, damit begonnen musikalische Weihnachtsabende zu inszenieren, um dem Christkind zu huldigen. Für mich war und ist das Weihnachtsfest immer die Nummer Eins unter den Feierlichkeiten. Geschenke, große Gefühle, super Musik und klebriges Naschwerk: Was kann es Schöneres geben auf Erden? Bis heute halten wir an dieser Tradition fest und werden dabei Jahr für Jahr musikalisch immer bunter, intensiver, besser und christfitter!

Ihr Lieblingsweihnachtslied ist „Leise rieselt der Schnee“, weil Sie es mit dem Bonanza-Rad verbinden, das Sie 1972 von Ihrer Mutter bekamen. Wie viel von „Weihnachten mit Guildo“ ist bei allem Spektakel auch Kindheitserinnerung?
Da kommt zusammen, was zusammengehört. „Weihnachten mit Guildo“ ist das klingende Spargelröllchen zur Christniederkunft.  Also: „Ihr Kinderlein Komet!“

Zur Weihnachtsshow in Gummersbach: Was erwartet das Publikum in der Halle 32 und wie muss man sich das als Guildo-Neuling vorstellen? Mitsing-Alarm? 
„Weihnachten mit Guildo“ ist ein riesiger Zitatenschatz, ein Patchwork aus dem feinsten und bekanntesten internationalen Pop, Rock, Soul und Discohits der vergangenen 50 Jahre Musikgeschichte. Jedes Lied ein Edelstein, garniert mit einem selbst gehäkelten, weihnachtlichen Text. Ob Abba, Hot Chocolate,  The Buggles, Showaddywaddy, The Police, Michael Jackson und wie sie alle heißen mögen: Sie alle haben den Grundstein für unsere wilde Tanzparty gelegt. Natürlich  wird auch vor Rührung das ein oder andere Tränchen fließen: versprochen! 

Die Orthopädischen Strümpfe begleiten Sie seit Jahrzehnten. Wann überraschen die Strümpfe sogar den Meister noch?
Die schönsten Momente auf der Bühne sind die, die man vorher nicht berechnet. Wir sind alt, wild, ungezügelt und durchtrieben bis tief in unsere Nuss-Nougat-Füllung. In jeder Sekunde bereit, den überraschenden Pass in die Tiefe zu spielen. Das ist das Salz in unserem Orthopädischen Süppchen. Musikalisch muss es knallen. Und bei uns knallt‘s.

1998 kannten Sie plötzlich Millionen Menschen als den Mann, der beim Grand Prix auf ein Bühnengerüst kletterte. Fast 30 Jahre später sind Sie immer noch da. Was gibt Ihnen das Bühnenleben?
Die Stunden auf der Bühne sind mit die  entspanntesten in meinem Leben. Hier zählt nur der Moment. Das hat Suchtpotenzial:  Ich liebe es!

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Foto: ©dsa musikproduktion gmbh


Die Theatersaison 2026/27


Theater. 
Theater für Erwachsene in der Halle 32

Den Auftakt übernimmt am 16. September gleich einer, der weiß, wie man einen großen Auftritt hinlegt: Jay Gatsby. F. Scott Fitzgeralds Kultroman „Der große Gatsby“ führt mitten hinein in die Roaring Twenties, in eine Welt aus rauschenden Partys, Champagner und großen Versprechen. Doch Gatsby will eigentlich nur eines: Daisy zurückgewinnen. Und hinter der glitzernden Fassade warten Einsamkeit, Intrigen und zerplatzende Träume. Ein moderner Klassiker über Liebe, Macht und die Frage, ob sich die Vergangenheit tatsächlich zurückholen lässt.

Am 11. November gerät dann alles „Außer Kontrolle“ – und zwar mit Anlauf. Staatsminister Richard Willey möchte eigentlich nur ein diskretes Abenteuer genießen. Stattdessen bekommt er es mit einem leblosen Privatdetektiv, eifersüchtigen Ehepartnern, einem reichlich nervigen Kellner und einer immer aberwitzigeren Kette von Lügen zu tun. Ray Cooneys Krimifarce ist britischer Boulevard in Hochgeschwindigkeit: Türen auf, Türen zu – und dazwischen der verzweifelte Versuch, irgendwie Herr der Lage zu bleiben.

Ganz andere Töne schlägt am 9. Dezember „Heimsuchung“ nach Jenny Erpenbeck an. Ein Haus an einem Brandenburger See wird zum stillen Zeugen deutscher Geschichte. Von 1906 bis 2002 kommen und gehen seine Bewohner, während Krieg, Nationalsozialismus, DDR und Wiedervereinigung ihre Spuren hinterlassen. Poetisch, vielschichtig und bewegend – und für Schülerinnen und Schüler besonders interessant: Der Roman gehört zum Stoff des Zentralabiturs 2027.

Nach der Winterpause wird es am 17. Februar 2027 herrlich verrückt. Don Quichote zieht los, um für Ritterehre, Dulcinea und eine bessere Welt zu kämpfen – auch wenn die berühmten Riesen am Ende doch nur Windmühlen sind. Zwei Schauspieler lassen Don Quichote und Sancho Panza zwischen Dichtung und Wirklichkeit aufeinanderprallen, begleitet von einem Flamencogitarristen. Eine furiose Fantasiekomödie, die 2024 für den INTHEGA-Theaterpreis nominiert war. Wer danach glaubt, im Theater könne ihn nichts mehr erschüttern, sollte sich den  7. April 2027 vormerken. In „Die Wendeltreppe“ wird ein abgelegener Landsitz zur Falle. Ein Serienmörder geht um, ein Gewitter zieht auf, die Straßen sind unpassierbar – und die junge Helen muss herausfinden, wem sie noch trauen kann. Ein Psychothriller nach dem Filmklassiker von 1946, bei dem die Spannung Stufe für Stufe steigt.

Und zum Finale? Ja, dann fliegt endgültig der Deckel vom Theaterabend. Denn am  22. Juni 2027 verwandelt „Shockheaded Peter“ Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter“ in ein anarchisches Horrormusical für Erwachsene. Zappel-Philipp, Suppenkasper & Co. treffen auf grotesken Witz, schräge Zirkusklänge, makabre Bilder und jede Menge schwarzen Humor. Nichts für brave Kinder – aber ein großer Spaß für Erwachsene, die Theater gerne ein bisschen schräger mögen.

Theater für Erwachsene in der Halle 32

Los geht es am 15. September mit einem echten Abenteuerklassiker. In Robert Louis Stevensons „Die Schatzinsel“ entdeckt Jim Hawkins eine geheimnisvolle Karte, die den Weg zu Captain Flints sagenumwobenem Gold weisen soll. Also: Leinen los! Dummerweise befinden sich unter der Besatzung einige ziemlich finstere Piraten. Und dann wäre da noch der charmante Schiffskoch Long John Silver, bei dem niemand so genau weiß, auf welcher Seite er eigentlich steht. Das verspricht Abenteuer, Geheimnisse und eine ordentliche Portion Seeluft für alle ab acht Jahren.

Am 10. November wird es magisch – und höchste Zeit, die Welt zu retten. In Michael Endes „Der Wunschpunsch“ hat Geheimrat Beelzebub Irrwitzer ein Problem: Das Jahr ist fast vorbei und sein vorgeschriebenes Pensum an bösen Taten noch längst nicht erfüllt. Ein mächtiger Zaubertrank soll helfen. Zum Glück haben Kater Maurizio und Rabe Jakob etwas dagegen. Ein temporeicher Kampf zwischen Gut und Böse voller Witz, Magie und ziemlich großer Fragen für Menschen ab sechs Jahren.

Und wer könnte darauf besser folgen als das stärkste Mädchen der Welt? Am 8. Dezember zieht Pippi Langstrumpf in die Halle 32 ein – mit Tommy und Annika, jeder Menge Unsinn und natürlich ihrer ganz eigenen Vorstellung davon, wie das Leben zu laufen hat. Das poppige Musiktheater bringt Astrid Lindgrens Klassiker mit rockigen Songs und Tanzeinlagen auf die Bühne. Eine wunderbar wilde Geschichte über Freiheit, Mut und Fantasie für alle ab fünf Jahren.

Nach der Winterpause melden sich am 18. Februar zwei Herren zurück, die schon Generationen von Eltern und Lehrern zur Verzweiflung gebracht haben: Max und Moritz. Inzwischen nennen sie sich allerdings ganz zeitgemäß M & M – und haben selbstverständlich neue Streiche im Gepäck. Auch Witwe Bolte und Lehrer Lämpel sind wieder dabei, allerdings anders, als Wilhelm Busch sie kannte. Frech, musikalisch und respektlos wird der Klassiker einmal kräftig durchgeschüttelt. Für Kinder von sechs bis zwölf Jahren – und alle, die früher selbstverständlich niemals selbst Streiche gespielt haben.

Am 6. April schwingt sich schließlich „Die kleine Hexe“ auf ihren Besen. Ihr größter Wunsch: endlich bei der Walpurgisnacht mittanzen. Dafür soll sie beweisen, dass sie eine „gute Hexe“ ist. Was das allerdings genau bedeutet, darüber gehen die Meinungen ziemlich auseinander. Gemeinsam mit Rabe Abraxas findet sie ihren eigenen Weg. Otfried Preußlers Klassiker über Mut, Freundschaft und die Kunst, das Richtige zu tun, verzaubert Kinder ab fünf Jahren.

Zum Saisonfinale wartet am 24. Juni ein Fall auf Nachwuchsdetektive: „Die drei ??? Kids – Der singende Geist“. Eine alte Standuhr, merkwürdige Ereignisse und ein Geist, der plötzlich zu singen beginnt – für Justus, Peter und Bob genügend Gründe, sofort mit den Ermittlungen zu beginnen. Klugheit, Teamgeist und gute Nerven sind gefragt, wenn die drei Freunde das Geheimnis lösen. Ein spannender Theaterfall für alle ab sechs Jahren.

Foto: Jochen Quast