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Fünf Richtige |
![]() Alte Bekannte Konzert.Alte Bekannte bringen weit mehr auf die Bühne, als der Begriff A-cappella vermuten lässt. Im November sind sie zum zweiten Mal in Gummersbach zu Gast. Und zum letzten Mal: Denn Ende 2027 hören sie auf. Also noch einmal lauschen. Den großartigen Stimmen. Den pointierten Texten. Und den Geschichten dahinter.
Es braucht nicht viel. Fünf Stimmen. Fünf Mikrofone. Licht an. Los. Kein Klavier, hinter dem man sich verschanzen könnte. Keine Gitarre, um die Finger zu beschäftigen. Kein schepperndes Schlagzeug. Und doch sind Gitarrenklänge, Drums und Percussion zu hören. Nur kommen sie aus fünf Mündern. Alte Bekannte, 2017 als A-capella-Nachfolgeband der legendären Wise Guys entstanden, haben längst ihren eigenen Ton gefunden – stehen aber auch auf der aktuellen Tour zum Album „Mehr!“ ganz bewusst zu ihrer Vorgeschichte. Denn natürlich werden im Publikum sowohl Fans von Alte Bekannte sitzen, als auch jene der Wise Guys. Und der eine oder andere Song der Weisen wird sicher auch zu hören sein. Bariton, Falsett-Tenor, Bass und Tenor – die Stimmlagen von Clemens Schmuck, Daniel „Dän“ Dickopf, Ingo Wolfgarten, Friedemann Petter und Björn Sterzenbach ergänzen einander perfekt. Letzterer ist bei Alte Bekannte nicht nur für Tourplanung, Booking und Marketing zuständig, sondern auch einer von drei Beatboxern. Sprich: Er singt nicht nur, sondern sorgt auch für den Rhythmus. Hat der Mann ein angeborenes Mund-Schlagzeug-Gen? Nein, antwortet er: „Im Grunde kann das jeder lernen. Und das, kein Witz, am besten im Badezimmer, möglichst unter der Dusche. Da hallt es am besten.“ Wohl gemerkt: dreimal Beatboxen unter der Brause ist maximal der Einstieg: „Die richtige Technik ist das A und O, und es dauert Wochen, um einen bestimmten Sound zu finden. Also üben, üben, üben“, erklärt Björn Sterzenbach. Die richtige Atemtechnik und die Millimeterarbeit von Lippe und Zunge machen den Unterschied aus. Scheinbar durch Zufall ist er plötzlich da, dieser eine Ton, nach dem man gesucht hat. Jetzt heißt es: festhalten, wiederholen und das richtige Timing lernen, damit der eine Beat für einen dreieinhalb Minuten dauernden Song wie ein Uhrwerk abgespult werden kann: „Du bist ja dann das Instrument. Und das muss songdienlich sein.“ Die Geschichten hinter den Songs Überhaupt: die Songs. Sie entstehen auf unterschiedliche Weise. Dän, auch bei den Wise Guys schon Hauptsongschreiber, bringt häufig ziemlich weit entwickelte Stücke mit, andere Bandmitglieder werfen eine Demo in die Runde und sagen sinngemäß: Hier sind meine 60 Prozent – Feuer frei. Danach wird gemeinsam getüftelt. Oft fließen eigene Erlebnisse in die Stücke ein, ganz gleich, ob es um Liebe und Freundschaft geht oder um nervigen Social-Media-Konsum. Im Studio steht meist kein ganzes Quintett vorm Mikrofon. Jeder nimmt einzeln auf, um mehr Klangbreite zu erzeugen. Auf der Bühne gibt es natürlich fünf auf einen Streich, und das pur. Keine Loops, keine technische Vervielfältigung, nur eine Lichtshow. Klar, dass Alte Bekannte gerade im Herbst peinlich genau auf ihre Stimmen achten müssen. Viel trinken, genug schlafen, gesund und vitaminreich essen, sich vor Erkältungen so gut schützen wie möglich. Die Show, bestehend aus zwei Sets mit je einer Stunde, ist so gut durchgeplant, dass ein Ausfall nicht alles, aber einiges über den Haufen werfen würde. So oder so: Es bleibt bei den Konzerten immer auch Zeit für die Geschichten hinter den Songs. Björn Sterzenbach mag das sehr: „Dann ist es der Mensch, der erzählt, nicht der Songwriter, nicht der Beatboxer.“ Weil auch zwischen den Songs der Witz regiert, ist die Grenze zur Kleinkunst nicht weit. Was leider ebenfalls nicht mehr weit ist: Das Ende von Alte Bekannte. Wer das Konzert in Gummersbach verpasst, bekommt dort keine zweite Chance mehr. Die Abschiedstour mit einem Best-of-Set ist für das Jahr 2027 schon geplant, die letzte Show in Berlin ebenfalls. Damit und auch mit den Gründen geht die Band sehr offen um. Dän Dickopf berichtet auf Social Media schon von neuen Musikplänen – unter anderem schreibt er auch Kinderlieder. Friedemann Petter bleibt der Branche ebenfalls erhalten. Für die drei anderen, darunter Björn Sterzenbach, steht fest – das war es dann erst mal mit der Zeit als Profimusiker: „Nach der Pandemie ist das Tourleben deutlich teurer geworden. Da stellt sich die Frage: Wollen wir weitermachen oder machen wir mal etwas völlig anderes?“ Alte Bekannte haben ihre Antworten gefunden. Für Mehr! noch mal alles geben Wenn Björn Sterzenbach laut darüber nachdenkt, wird deutlich: Natürlich schwingt auch Wehmut mit. Klar werden Alte Bekannte die Bühne vermissen. Und genau deshalb werden sie in diesem Herbst und im kommenden Jahr noch einmal alles geben. Mit der Mehr!-Tour in Gummersbach. Und dann auf ihrer Abschiedstournee. Wenn das Licht angeht und die fünf Künstler wissen: „Das fühlt sich wieder richtig gut an.“ Foto: Anna Horn |
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