![]() shows. stories. events. erlebnisse. Jochen Malmsheimer: Übers Elternsein. Und über so viel mehr. Uwe Lyko: Wie Herbert Knebel entstand – und mit ihm alt wurde Karsten Dobermann: Alles für die Musik Ensemble Persona: Alles zu "In 80 Tagen um die Welt"
Viel Spaß beim Lesen! |
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Wenn aus Kompost Blumenerde wird |
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Dann war Herbert da. Und blieb. |
![]() Musikkabarett
Dass der Mann in diesem Jahr 72 Jahre alt wird, ist seiner echten Stimme nicht anzumerken. Paradox eigentlich, spielt Uwe Lyko doch seit bald 40 Jahren regelmäßig einen Rentner. Vielleicht den berühmtesten in ganz Deutschland: Herbert Knebel. Als er ihn erfunden hat, war Lyko erst Mitte dreißig. „Es gab dafür kein Vorbild. Die Figur entstand beim Improvisieren. Nach und nach wurde mir klar, welche Stimme sie haben sollte, welchen Gestus, und dass es ein Rentner sein musste, so um die 63 Jahre. Ich war viel jünger, also zog ich eine zu große Hose und Jacke an, setzte eine Brille auf, dazu die Mütze. Bei den ersten Auftritten lachten sich die Leute kaputt, und ich dachte: Da kann was draus werden, da bleibst du mal dran“, erinnert sich Uwe Lyko an die Anfänge.
Die Erlebnisse des Ruhrpöttlers, der seine Herkunft mit keiner Silbe verhehlen kann und will, seine oft überzeichneten, aber nie veralberten Gedanken zum Weltgeschehen, die bewusst falsche Aussprache von Fremdwörtern sowie längst ikonische Redewendungen („Boah, glaubse ...“) haben Herbert Knebel zum Kult gemacht. Solo ist Knebel nicht mehr zu haben Von Beginn an dabei war gleichzeitig die mit ihm vierköpfige Kombo, das Affentheater. Auch wenn Lyko zwischenzeitlich auf der Bühne, im Radio und Fernsehen als Herbert Knebel solo auftrat, hat er die Figur doch immer als Teil der Band gesehen. Heute gibt es Knebel nur noch mit ihr oder gar nicht. Der Künstler blickt noch einmal zurück: „Anfang der 1990er Jahre wurde das Affentheater immer bekannter. Auch, weil das sehr außergewöhnlich war. Wir waren und sind in der Musik ja nicht auf ein Genre festgelegt. Wir bauen Coverversionen von Songs ein, zu denen wir eine Idee haben, machen das, was wir selbst witzig finden und legen natürlich großen Wert darauf, dass sich das Publikum mit den Geschichten identifizieren kann, die wir erzählen.“ Uwe Lyko spricht bewusst von einem Wir, weil nicht nur die Performance selbst, sondern auch das Schreiben von Texten und Pointen eine Teamarbeit ist. Was sich dabei manchmal zeigt, ist die persönliche Empfindung, die Lyko für die Figur Herbert Knebel mit den Jahren entwickelt hat: „Ich glaube, die muss man auch haben. Er ist ja ungewollt anarchistisch, sehr auf Gerechtigkeit bedacht und mitnichten ein Spießer. Es kommt beim Schreiben schon mal vor, dass ich ihn verteidige und sage: Nee, das würde der Herbert so nicht ausdrücken.“ Ab und an passiert es Lyko übrigens, dass sich eine Knebel-Floskel in seiner Alltagssprache verirrt. Was beide eint, sei zudem eine gewisse Ungeduld. Ein Rentner, der Freiheiten schenkt Während Herbert Knebel zeitlos bleibt, hat sein Schöpfer ihn altersmäßig längst überholt. Für Lyko ein ganz natürlicher Prozess, zumal er sich und seiner Figur treu geblieben ist: Früher hat er bei den Affentheater-Auftritten oft mehrere andere Rollen verkörpert, heute bleibt er fast ausschließlich in der des Herbert Knebel. Weil sich herauskristallisiert hat, dass er damit seine Ideen und Geschichten am besten transportieren kann. „Ich habe mit Knebel relativ viele Freiheiten, die andere Comedians so vielleicht nicht haben: Ich kann singen, Gitarre spielen, tanzen, Ukulele spielen, die abstrusesten Sachen erzählen ...“, zählt Lyko auf. Er betont gleichsam, dass sich über die Jahre zwar das Bewusstsein dafür geschärft habe, wie man je nach Thema was überbringt – dass es aber heute generell nicht mehr Tabus gebe als früher: „Die Diskussion nach dem Motto, man dürfe ja nichts mehr sagen, halte ich für völligen Quatsch. Wir leben ja nicht in einer Diktatur.“ Wie kommt es eigentlich, dass Herbert Knebel mit seinem Ruhrpott-Slang bundesweit so gut ankommt? „Der Slang ist ja dem Hochdeutschen sehr verwandt, also überall verständlich – und wir behandeln Themen, die überall spielen und relevant sein könnten“, erklärt es Uwe Lyko. Nach bald 40 Jahren immer wieder neu kreativ werden, ohne sich zu wiederholen, das sei gleichsam eine Herausforderung. Zumal Herbert Knebel ja schon zu allem Möglichen seine Meinung kundgetan hat. Im Programm „Alles Karacho“ wird er das in Gummersbach unter anderem zu Verhütung im Alter, kuriosen Spieleabenden mit Bekannten und all den Zipperlein machen, die man als Rentner nun mal so hat. Eingebettet ist das in eine Musikshow, deren Sound sich deutlich verändert hat: Ein neuer Schlagzeuger ist an Bord, nachdem Detlef Hinze alias „der Trainer“ die Drumsticks an den Nagel gehängt hat. Sein Nachfolger macht, ebenso wie die zwei neuen Bläser (Posaune und Trompete), die von den Popolskis ins Affentheater gewechselt sind, ausschließlich Musik und keine Comedy. So ist das Affentheater im Jahr 2026 eine Mischung aus Bewährtem und Neuem mit einem Rentner-Original, das sich treu geblieben ist. So wie Uwe Lyko selbst, der längst nicht ans Aufhören denkt: „Wer weiß, vielleicht ist Herbert Knebel ja irgendwann mal mein Sohn ...“ Foto: Thomas Willemsen/Lokomotiv Stadtlohn |
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„Ich werde dafür immer alles geben“ |
![]() KonzertEr lebt für die Musik. Für seine Bigband. Für das Trompete spielen. Und natürlich für die Gummersbacher Philharmoniker, die er vor 31 Jahren gegründet hat. Im Interview blickt Karsten Dobermann auf das Gestern und das Heute. Und auf das Konzert „Visions“ am 20. und 21. Mai in der Halle 32.Herr Dobermann, bitte einmal kurz auf Anfang: Warum gründet man in Gummersbach ein Orchester? Welchen Stellenwert haben die
Philharmoniker für Sie persönlich?
Wie gelingt Ihnen die Gratwanderung zwischen der freundschaftlichen Verbindung zu den Ensemblemitgliedern – und der Strenge und Disziplin, die Sie ja auch walten lassen müssen? Denn Sie arrangieren und dirigieren die Konzerte. Ganz gleich ob als Solist – Sie spielen seit 40 Jahren Trompete – oder mit den Ensembles: Nach all den Proben kommt immer wieder der eine Moment. Das Konzert beginnt. Was geht da in Ihnen vor? So auch das zu „Visions“ am 20. und 21. Mai. Was darf das Publikum erwarten? Blicken wir einmal voraus: Gibt es nach
40 Jahren auf der Bühne ein Projekt, das Sie unbedingt noch machen wollen?
Foto: Torsten Veit |
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Philea hat‘s eilig |
![]() TheaterDas Ensemble Persona bringt den Jules-Verne-Klassiker „In 80 Tagen um die Welt“ als mitreißendes Zirkusabenteuer auf die Bühne. Der Regisseur und künstlerische Leiter des Ensembles, Tobias Maehler, und Darsteller Yannick Zürcher, der den Diener Passepartout spielt, verraten im Interview mehr über dieses Highlight zum Abschluss der laufenden Bühne-32-Theatersaison.
Herr Maehler, wie bringt man eine Geschichte, in der es um die Wette geht, in 80 Tagen die ganze Welt zu bereisen, auf eine Theaterbühne? Inwiefern?
Dadurch wird Ihr Stück gleichzeitig sehr aktuell. Herr Zürcher, das Verlorengehen betrifft ja vor allem den von Ihnen gespielten Diener Passepartout. Können Sie das näher erläutern?
Für Sie als Schauspieler sicher schauspielerisch wie körperlich herausfordernd.
Sie sprachen es an: Anders als im Buch und den Filmen ist die Hauptfigur weiblich. Aus Phileas ist Philea geworden. Wie kam es dazu, Herr Maehler? Yannick Zürcher: Ich kenne nur Adaptionen des Stücks, in denen eine Frau den Passepartout gespielt hat. Und ich finde es sehr konsequent, dass wir es umgekehrt machen. Tobias Maehler: Ganz fantastisch ist auch die Selbstverständlichkeit, mit der das bei Publikum und Kritik ankommt. Nicht ein einziges Mal hat jemand auch nur annähernd kritisiert, dass es bei uns eine Frau ist, die mit ihrem Diener um die Welt reist. Fotos: Bernt Haberland |
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