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Ausgabe 146 | Juni/Juli 2026
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 Endlich Sommer – und endlich gibt es bei uns in der Halle wieder ordentlich was aufs Zwerchfell. Das sogar gleich dreifach: Jochen Malmsheimer präsentiert sein Dauerbrennerprogramm übers Vaterwerden und -sein, der legendäre Herbert Knebel lässt das Affentheater tanzen – und Bastian Ganser, Leiter der Halle 32, stellt in seinem schrägen neuen Programm einen schwarzhumorigen Mix aus Stories vor.
Unsere aktuelle Bühne-32-Spielzeit endet zudem spektakulär mit einem einfühlsamen Stück für Kinder und der aufwendigen Inszenierung von In 80 Tagen um die Welt.
Klar dürfen sich auch die Musikfans freuen, denn zum einen wird es zauberhaft mit Gitarrenvirtuose Luciano Marziali und Gästen und zum anderen Ende Juli noch einmal klassisch mit dem Konzertabend des Klavierfestivals Lindlar.
Die Kulturwerkstatt verkürzt Ihnen zudem im Juli die Zeit bis September, mit gleich vier Aufführungen des Stücks Wunder-bare Welt Dissozia.
Wir sehen uns!
Ihr Team der Halle 32
PS: Die Pink-Floyd-Tribute-Show von One Of These am 19. Juni in der Studiobühne ist restlos ausverkauft!
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9. Juni: Ente, Tod und Tulpe
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Ein Musiktheaterstück nach dem Buch von Wolf Erlbruch, das Kindern einfühlsam das Thema Tod näher bringt: Ente spürt es schon eine ganze Weile, dass jemand in der Nähe ist, sie beobachtet. Schließlich steht der Tod leibhaftig vor ihr. Als Ente ihm ins Auge blickt, ist sie zuerst erschrocken – sie ist noch nicht bereit für den Tod.
Deshalb zeigt sie ihm den Sommer über viele Dinge. Und der Tod lernt einiges, was selbst er noch nicht wusste
Inszeniert von der Opernwerkstatt am Rhein.
Ente, Tod und Tulpe, Theater für Kinder, Dienstag, 9. Juni 2026, 16 Uhr, Halle
Infos und Tickets:
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10. Juni: In 80 Tagen um die Welt
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 In 80 Tagen um die Welt
Das Ensemble Persona bringt den Jules-Verne-Klassiker „In 80 Tagen um die Welt“ als mitreißendes Zirkusabenteuer auf die Bühne. Der Regisseur und künstlerische Leiter des Ensembles, Tobias Maehler, und Darsteller Yannick Zürcher, der den Diener Passepartout spielt, verraten im Interview mehr über dieses Highlight zum Abschluss der laufenden Bühne-32-Theatersaison.
Herr Maehler, wie bringt man eine Geschichte, in der es um die Wette geht, in 80 Tagen die ganze Welt zu bereisen, auf eine Theaterbühne? Tobias Maehler: Wichtig war, nicht der Gefahr zu erliegen, dass man sich hier einen naturalistischen Druck aufbaut, sondern die eigene Phantasie und die der Zuschauer nutzt. Und das auf analoge Weise, mit echten Kulissen und ohne KI. Deshalb haben wir uns entscheiden, das Ganze als zirzensisches Schauspielspektakel zu inszenieren. Das Zirkus-Setting, das Revueartige mit Musik und Artistik, ermöglicht es uns, das Tempo hochzuhalten. Zudem hat Sören Voima als Autor dieser Fassung des Stoffes eine tolle Vorlage geliefert. Es wirkt wie eine aufregende Parabel auf all das „Höher, Schneller, Weiter“, das mit der Industrialisierung noch viel stärker in die Welt kam als davor.
Inwiefern? Tobias Maehler: Man kann im ständigen Höher, Schneller, Weiter einen technischen Fortschritt entdecken, läuft aber Gefahr, dadurch das Gegenwärtige zu verpassen. So gehen unsere Figuren im immer schnelleren Zeitstrudel bald verloren.
Dadurch wird Ihr Stück gleichzeitig sehr aktuell. Herr Zürcher, das Verlorengehen betrifft ja vor allem den von Ihnen gespielten Diener Passepartout. Können Sie das näher erläutern?
Yannick Zürcher: Passepartout ist underclass, er hat schon viele Jobs hinter sich. Ein Allrounder, der nun engagiert wird, mit auf die Reise um die Welt zu gehen. Er macht also einfach mal mit, merkt dann, dass ihm alles viel zu schnell geht, dass er nicht mehr mitkommt mit dem Tempo – und er hat keine Gelegenheit, auf Stopp zu drücken.
Für Sie als Schauspieler sicher schauspielerisch wie körperlich herausfordernd.
Yannick Zürcher: Ja, ich bin nach jeder Vorstellung nass geschwitzt. Aber auch die anderen Darsteller, die ja zum Teil bis zu zehn Rollen spielen – und wenn es nur ein Tisch oder ein japanisches Stehpult ist – sind ständig in Bewegung. Auch wenn wir nicht jeden Schauplatz des Buches abbilden können, so geht diese Reise während der zwei Theaterstunden doch über die ganze Route. Was konkret bedeuten kann: Drei Minuten von Italien nach Suez, 15 Minuten im Zug durch Indien, dann wieder für drei Minuten woanders hin. Neben Anja Neukamm, die die Philea Fogg spielt, habe ich als Einziger alle bislang knapp 80 Vorstellungen mitgemacht. Da die restliche Besetzung – wie im Ensemble-Theater üblich – auch mal wechselt, ebenso wie die beiden Musiker, ist es immer wieder anders. Anja und ich sagen uns daher: Wenn wir die Anfangsszene, in der viele Zahlen und Fakten genannt werden, geschafft haben, wird es entspannter. Und doch ist jeder Abend das Ergebnis von technischer Finesse, Timing und Exaktheit im Spiel.
Sie sprachen es an: Anders als im Buch und den Filmen ist die Hauptfigur weiblich. Aus Phileas ist Philea geworden. Wie kam es dazu, Herr Maehler? Tobias Maehler: Ich hatte mit Anja Neukamm zuvor „Ein Sommernachtstraum“ inszeniert, da war sie ein ganz fantastischer Puck. So kamen wir im Vorgespräch zu „In 80 Tagen um die Welt“ auf die Idee, dass sie die Figur der Philea spielt. Diese hat auch etwas Teuflisches an sich, das stellt Anja wunderbar heraus. Zudem ist die Figur eine Allegorie, sie steht für Fortschritt, Technik und die Zeit. Da ist es egal, welches Geschlecht sie hat. Und was Anja mit ins Stück hineingebracht hat: Sie ist ein großer Steampunk-Fan. Viele Stilelemente gehen auf diese Passion zurück.
Yannick Zürcher: Ich kenne nur Adaptionen des Stücks, in denen eine Frau den Passepartout gespielt hat. Und ich finde es sehr konsequent, dass wir es umgekehrt machen.
Tobias Maehler: Ganz fantastisch ist auch die Selbstverständlichkeit, mit der das bei Publikum und Kritik ankommt. Nicht ein einziges Mal hat jemand auch nur annähernd kritisiert, dass es bei uns eine Frau ist, die mit ihrem Diener um die Welt reist.
Foto: Bernt Haberland
In 80 Tagen um die Welt, Mittwoch, 10. Juni 2026, 20 Uhr, Halle,
Infos und Tickets:
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11. Juni: Jochen Malmsheimer – Halt mal, Schatz!
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 Jochen Malmsheimer - Halt mal, Schatz! Jochen Malmsheimer ist ein Bühnen-Veteran. Eines seiner beliebtesten Programme stellt er bei uns in der Halle vor: „Halt mal, Schatz!“, übers Vaterwerden und Vatersein. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, hier ein Auszug des Porträts.
Es gibt Erlebnisse, die brennen sich für immer ein. Jede Sekunde, jede Minute, jeder einzelne Moment. Die Geburt eines Kindes ist so ein Erlebnis. Jochen Malmsheimer hat gleich zwei Geburten miterlebt, die seiner heute 25 und 29 Jahre alten Söhne. Seine Frau brachte sie zu Hause, in den eigenen vier Wänden, zur Welt. „Man sollte ja grundsätzlich nur über Dinge schreiben, bei denen man sich auskennt. Und den gesamten Vorgang der Geburt habe ich bei beiden Kindern in geradezu fotografischer Vehemenz im Kopf. Ich war vorher sicher, dass ich der Einzige sein würde, der ärztliche Hilfe brauchen wird, aber das war zum Glück nicht nötig“, erinnert sich der Kabarettist.
Das Wunder der Geburt, das Vatersein, das Kennenlernendürfen der eigenen Kinder und das Neu-Kennenlernen der Ehefrau – all das musste kreativ verarbeitet werden. Dass daraus einmal ein Buch und ein abendfüllendes Programm mit dem Namen „Halt mal, Schatz!“ werden würde und somit jener Dauerbrenner, mit dem Jochen Malmsheimer am
11. Juni in der Halle 32 gastiert, hat er damals nicht geahnt: „Ich habe das allein für meine Kinder geschrieben. Irgendwann bin ich gefragt worden, ob ich damit mal auftreten möchte – also machte ich das, und der Abend kam erstaunlich gut an. Das ist bis heute so geblieben.“
ele Eltern finden sich in Malmsheimers Geschichten wieder. Und, so überlegt er weiter, manche kinderlose Menschen fühlen sich möglicherweise darin bestärkt, dies auch zu bleiben. Zum Beispiel, wenn er von den Herausforderungen und der Arbeit berichtet, die ein Kind bei aller Wunderbarkeit nun mal auch mit sich bringt. „Aber natürlich plädiere ich dafür, dass nach dem Auftritt möglichst viele Menschen nach Hause gehen und sofort ein Kind machen, sofern ihr Alter das zulässt“, stellt Malmsheimer klar – und während sich hier noch kabarettistische Zuspitzung herauslesen lässt, wird er im nächsten Satz sehr ernst: „Ich bin der festen Auffassung, dass das Einzige, was die Welt retten kann, die Kinder sind, weil ich den Glauben an die Erwachsenen, insbesondere an meine Generation, verloren habe.“ Auf die Nachfrage, warum das denn so sei, wird er noch ein wenig ernster: „Was ist das für eine Frage? Schauen Sie mal aus dem Fenster, gucken Sie sich die Nachrichten an. Wir Menschen haben einen Kenntnisstand erlangt, der ausreicht, um mit allen großen Problematiken dieser Welt fertig zu werden, aber nichts davon ist passiert. Also, wenn einen das nicht erschüttert ...“
Aber bietet ihm, dem Künstler, unsere Weltlage mit all ihren Wahnsinnigkeiten nicht viele Themen für neue Programme? Davon hat Malmsheimer in den letzten Jahrzehnten schließlich einen ganzen Batzen geschrieben. Das mag stimmen, aber er glaubt nicht daran, dass die Kunst mehr bewirken kann als Unterhaltung und Zerstreuung. Und neue Wege könne sie nur begrenzt aufzeigen. „Ich habe einen Unterhaltungsauftrag, aber keinen Bildungs- und Erziehungsauftrag. Dem versuche ich so gut wie möglich nachzukommen. Dass das auch mal Frustration mit sich bringt, liegt innerhalb des Auftrags.“ So geschäftsmännisch das rüberkommt, so pointiert klingt es auch, was natürlich an Jochen Malmsheimers begnadeter Fähigkeit liegt, Sprache messerscharf zu benutzen. Dazu kommt: „Ich habe mir angewöhnt, nachzudenken, bevor ich was sage. Das ist immer gut.“
Weiterlesen? Gerne. Hier geht es lang:
Jochen Malmsheimer: Halt mal, Schatz, Donnerstag, 11. Juni 2026, 20 Uhr, Halle
Infos und Tickets:
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17. Juni: Bastian Ganser – Verbale Lobotomie
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Wenn der Leiter der Halle 32 selbst auf die Bühne steigt, ist Vorsicht geboten: Bastian Ganser präsentiert sein Programm „Verbale Lobotomie – Poesie zur Hirnzellenverödung“ und mutet seinem Publikum 70 Minuten feinsten Unsinn mit pseudointellektuellem Anstrich zu.
Irgendwo zwischen Stand-up, Poetry Slam und Lesung zelebriert Ganser das Absurde, das Sinnlose und die Kunst des wirren Denkens. Mit Unsinnsgedichten, skurrilen Geschichten und bizarren Texten führt er sein Publikum durch eine Welt voller brennender Eulen, vergesslicher Wikinger, missratener Tourismusbroschüren und fragwürdiger Gedankenexperimente rund um Kinderlieder.
Wer schwarzen Humor, absurde Gedankengänge und gepflegte geistige Entgleisungen schätzt, kommt hier voll auf seine Kosten. Die Frage nach dem „Warum?“ gibt es gratis dazu.
Bastian Ganser: Verbale Lobotomie, Mittwoch, 17. Juni 2026, 20 Uhr, Studiobühne
Infos und Tickets:
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26. Juni: Zauber der Gitarre
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 Das Dutzend ist voll: Der „Zauber der Gitarre“ geht in die zwölfte Runde. Auch in diesem Jahr erwartet das Publikum ein hochkarätiges Programm, diesmal mit dem Duo Kravets Kassung als Gästen und natürlich dem italienischen Meistergitarristen Luciano Marziali, der zugleich als künstlerischer Leiter des renommierten Konzertformats fungiert.
Mit der seltenen Besetzung aus Cello und Gitarre begeistern Lena Kravets und Tobias Kassung ihr Publikum weit über die Region hinaus. Unter dem Titel „Zwischen Traum und Tango“ verbinden sie Werke von Ludwig van Beethoven und Raffaele Bellafronte mit der leidenschaftlichen Atmosphäre südlicher Metropolen.
Luciano Marziali prägt den „Zauber der Gitarre“ seit seinen Anfängen. Der vielfach gefeierte Gitarrist präsentiert diesmal lateinamerikanische Klangwelten mit Werken von Heitor Villa-Lobos und Manuel María Ponce – virtuos, ausdrucksstark und voller musikalischer Farben.
Zauber der Gitarre: Freitag, 26. Juni 2026, 20 Uhr, Halle
Infos und Tickets:
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Am 27. Juni: Herbert Knebels Affentheater
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Beim Improvisieren schuf Uwe Lyko im Jahr 1988 fast beiläufig die Kunstfigur Herbert Knebel. Diese war und ist seitdem nicht nur ein fester Teil deutscher Humorgeschichte, sondern auch des „Affentheaters“ – und längst Kult. Davon dürfen sich die Gummersbacher am 27. Juni 2026 in der Halle 32 bei „Voll Karacho“ überzeugen.
Lesen Sie hier das komplette Porträt aus unserem Magazin „zwei&dreißig“.
Dass der Mann in diesem Jahr 72 Jahre alt wird, ist seiner echten Stimme nicht anzumerken. Paradox eigentlich, spielt Uwe Lyko doch seit bald 40 Jahren regelmäßig einen Rentner. Vielleicht den berühmtesten in ganz Deutschland: Herbert Knebel. Als er ihn erfunden hat, war Lyko erst Mitte dreißig. „Es gab dafür kein Vorbild. Die Figur entstand beim Improvisieren. Nach und nach wurde mir klar, welche Stimme sie haben sollte, welchen Gestus, und dass es ein Rentner sein musste, so um die 63 Jahre. Ich war viel jünger, also zog ich eine zu große Hose und Jacke an, setzte eine Brille auf, dazu die Mütze. Bei den ersten Auftritten lachten sich die Leute kaputt, und ich dachte: Da kann was draus werden, da bleibst du mal dran“, erinnert sich Uwe Lyko an die Anfänge.
Die Erlebnisse des Ruhrpöttlers, der seine Herkunft mit keiner Silbe verhehlen kann und will, seine oft überzeichneten, aber nie veralberten Gedanken zum Weltgeschehen, die bewusst falsche Aussprache von Fremdwörtern sowie längst ikonische Redewendungen („Boah, glaubse ...“) haben Herbert Knebel zum Kult gemacht.
Solo ist Knebel nicht mehr zu haben Von Beginn an dabei war gleichzeitig die mit ihm vierköpfige Kombo, das Affentheater. Auch wenn Lyko zwischenzeitlich auf der Bühne, im Radio und Fernsehen als Herbert Knebel solo auftrat, hat er die Figur doch immer als Teil der Band gesehen. Heute gibt es Knebel nur noch mit ihr oder gar nicht. Der Künstler blickt noch einmal zurück: „Anfang der 1990er Jahre wurde das Affentheater immer bekannter. Auch, weil das sehr außergewöhnlich war. Wir waren und sind in der Musik ja nicht auf ein Genre festgelegt. Wir bauen Coverversionen von Songs ein, zu denen wir eine Idee haben, machen das, was wir selbst witzig finden und legen natürlich großen Wert darauf, dass sich das Publikum mit den Geschichten identifizieren kann, die wir erzählen.“ Uwe Lyko spricht bewusst von einem Wir, weil nicht nur die Performance selbst, sondern auch das Schreiben von Texten und Pointen eine Teamarbeit ist.
Was sich dabei manchmal zeigt, ist die persönliche Empfindung, die Lyko für die Figur Herbert Knebel mit den Jahren entwickelt hat: „Ich glaube, die muss man auch haben. Er ist ja ungewollt anarchistisch, sehr auf Gerechtigkeit bedacht und mitnichten ein Spießer. Es kommt beim Schreiben schon mal vor, dass ich ihn verteidige und sage: Nee, das würde der Herbert so nicht ausdrücken.“ Ab und an passiert es Lyko übrigens, dass sich eine Knebel-Floskel in seiner Alltagssprache verirrt. Was beide eint, sei zudem eine gewisse Ungeduld.
Ein Rentner, der Freiheiten schenkt Während Herbert Knebel zeitlos bleibt, hat sein Schöpfer ihn altersmäßig längst überholt. Für Lyko ein ganz natürlicher Prozess, zumal er sich und seiner Figur treu geblieben ist: Früher hat er bei den Affentheater-Auftritten oft mehrere andere Rollen verkörpert, heute bleibt er fast ausschließlich in der des Herbert Knebel. Weil sich herauskristallisiert hat, dass er damit seine Ideen und Geschichten am besten transportieren kann. „Ich habe mit Knebel relativ viele Freiheiten, die andere Comedians so vielleicht nicht haben: Ich kann singen, Gitarre spielen, tanzen, Ukulele spielen, die abstrusesten Sachen erzählen ...“, zählt Lyko auf.
Er betont gleichsam, dass sich über die Jahre zwar das Bewusstsein dafür geschärft habe, wie man je nach Thema was überbringt – dass es aber heute generell nicht mehr Tabus gebe als früher: „Die Diskussion nach dem Motto, man dürfe ja nichts mehr sagen, halte ich für völligen Quatsch. Wir leben ja nicht in einer Diktatur.“
Wie kommt es eigentlich, dass Herbert Knebel mit seinem Ruhrpott-Slang bundesweit so gut ankommt? „Der Slang ist ja dem Hochdeutschen sehr verwandt, also überall verständlich – und wir behandeln Themen, die überall spielen und relevant sein könnten“, erklärt es Uwe Lyko. Nach bald 40 Jahren immer wieder neu kreativ werden, ohne sich zu wiederholen, das sei gleichsam eine Herausforderung. Zumal Herbert Knebel ja schon zu allem Möglichen seine Meinung kundgetan hat. Im Programm „Alles Karacho“ wird er das in Gummersbach unter anderem zu Verhütung im Alter, kuriosen Spieleabenden mit Bekannten und all den Zipperlein machen, die man als Rentner nun mal so hat.
Eingebettet ist das in eine Musikshow, deren Sound sich deutlich verändert hat: Ein neuer Schlagzeuger ist an Bord, nachdem Detlef Hinze alias „der Trainer“ die Drumsticks an den Nagel gehängt hat. Sein Nachfolger macht, ebenso wie die zwei neuen Bläser (Posaune und Trompete), die von den Popolskis ins Affentheater gewechselt sind, ausschließlich Musik und keine Comedy. So ist das Affentheater im Jahr 2026 eine Mischung aus Bewährtem und Neuem mit einem Rentner-Original, das sich treu geblieben ist. So wie Uwe Lyko selbst, der längst nicht ans Aufhören denkt: „Wer weiß, vielleicht ist Herbert Knebel ja irgendwann mal mein Sohn ...“
Herbert Knebels Affentheater: Voll Karacho!, Samstag, 27. Juni 2026, Halle
Infos und Tickets:
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5., 6., 12. und 13. Juli: Wunder-bare Welt Dissozia
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Lisa fehlt etwas – eine Stunde. Und diese soll sich im geheimnisvollen Land Dissozia befinden. Nur wenn sie die verlorene Zeit wiederfindet, kommt ihr Leben wieder ins Gleichgewicht. Dissozia schwankt zwischen verführerischer Fantasiewelt und düsterem Ort voller Bedrohungen. Auf ihrer Reise begegnet Lisa rätselhaften Wesen, die sie in immer neue Irrwege führen. Der einzige Ausweg liegt in der Konfrontation mit ihren tiefsten Ängsten ...
Das Stück greift Motive aus „Alice im Wunderland“ und „Der Zauberer von Oz“ auf und erzählte eine bildstarke Geschichte über Identität, Wahrnehmung und innere Zerrissenheit. Am Ende steht die Frage, ob Lisa nicht nur die Stunde, sondern auch den Verstand verloren hat.
Eine Produktion der Kulturwerkstatt 32 – wo seit vielen Jahren vielfältige Eigenproduktionen, Workshops und Bühnenformate entwickelt werden.
Kulturwerkstatt 32: Wunder-bare Welt Dissozia, Sonntag, 5. Juli 2026, Montag, 6. Juli 2026, Sonntag, 12. Juli 2026, Montag, 13. Juli 2026, jeweils 18 Uhr, Studiobühne
Infos:
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30. Juli: Klavier Festival Lindlar
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 Die Konzerte in der Halle 32 anlässlich des Internationalen Klavierfestivals Lindlar haben Tradition. Die wird auch in diesem Jahr fortgesetzt – mit einem bemerkenswerten jungen Virtuosen: Der Pianist Colin Pütz hat sich in den vergangenen Jahren mit einer internationalen Karriere etabliert. Eine besondere künstlerische Verbindung verbindet ihn mit dem Dirigenten Cristian Măcelaru, der ihn bereits früh förderte und mit großen Orchesterprojekten – unter anderem mit dem WDR Sinfonieorchester und dem Orchestre National de Radio France – auf die Bühne brachte.
Es folgten Auftritte mit renommierten Klangkörpern wie dem George Enescu Philharmonic Orchestra, der Dresdner Philharmonie und den Bergischen Symphonikern. Auch bei Festivals wie dem Beethovenfest Bonn oder dem Klavier-Festival Ruhr war Colin Pütz bereits zu erleben. Internationale Rezitals führten ihn unter anderem nach Bonn und Monte Carlo.
Sein Programm verbindet Schubert und Chopin in konzentrierter Form: die vier Impromptus D 935 sowie die vier Balladen von Frédéric Chopin.
Foto: Copyright www.peterrigaud.com
Konzert anlässlich des Internationalen Klavierfestivals Lindlar, Donnerstag, 30. Juli 2026, 19 Uhr, Halle
Infos:
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Schätze aus dem Bücherschrank: Der Klang der Zeit
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Im Südfoyer der Halle 32 steht ein Offener Bücherschrank. Dieser ist eine Spende des Vereins zur Förderung der Kultur in GM e.V. – für die das Team der Halle 32 sehr dankbar ist. Denn jede und jeder kann Bücher dort hineinstellen oder herausnehmen. Oft verbergen sich literarische Schätze in den Regalen. Wir heben sie und stellen sie hier vor – und wer Glück hat, ergattert bei seinem nächsten Besuch ebendieses Buch für sich zu Hause ...
... zum Beispiel: Der Klang der Zeit von Richard Powers
In „Der Klang der Zeit“ (The Time of Our Singing) erzählt der großartige Schriftsteller Richard Powers von zwei Brüdern in den USA, die zwischen Klassik und Rassismus, Bach und Bürgerrechtskampf ihre Stimmen suchen. Musik wird hier Überlebensform und Konflikt zugleich – ein Roman wie ein vielstimmiges Konzert. Das epische Werk gibt es im gut erhaltenen Taschenbuchformat bei uns im Bücherschrank.
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Mehr Informationen rund um die Halle 32 auf www.halle32.de.
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