Ort mit Tradition und Zukunft

Nein, diese Halle sollte nie ein Tempel der Industriekultur werden. Anders als etwa im Ruhrgebiet, wo repräsentativ gestaltete Firmengebäude den Werksbesitzern zu noch mehr Glanz verhalfen, war die Halle 32 von Anfang an nur zu einem gedacht: ihren funktionalen Zweck zu erfüllen. Die ältesten Teile des Gemäuers stammen aus der Zeit um 1890 und beherbergten die sogenannte Gelbgießerei, wo Gussteile hergestellt wurden – eines der ersten Fertigungsgebäude auf dem Areal. 1880 hatten die Brüder Lebrecht und Carl Steinmüller das als „Stettenwiesen“ bekannte umfangreiche Wiesengelände von der Stadt gekauft, um dort ihre Kesselschmiede zu errichten. 1884 waren 40 Arbeiter beschäftigt, um 1900 zählte das Werk bereits rund 400! Später arbeiteten an dem Standort zeitweise bis zu 3.000 Menschen.

Steinmüllergelände 1896

Mit dem rasanten Wachstum im Lauf der Jahrzehnte erfuhr die Halle mehrfache Erweiterungen, Umbauten und Instandsetzungen. Die Mitarbeiter der Firma
L. & C. Steinmüller kannten das Gebäude zuletzt unter der Bezeichnung „Bearbeitungs-
werkstatt“.

 
Als das Unternehmen noch existierte, lag sie eher versteckt mitten auf dem 18 Hektar großen Betriebsgelände, eingezwängt in ein Konglomerat unterschiedlicher Werkhallen.
In seiner wechselvollen und noch heute sichtbaren Baugeschichte spiegeln sich Industriehistorie und Entwicklung der Firma Steinmüller gleichermaßen.


Als 1999 das Aus für den ehemals größten Arbeitgeber der Region kam und die Stadt Gummersbach 2002 das Gelände erwarb, stellte sich auch die Frage, was mit den Gebäuden geschehen sollte. Große Einigkeit herrschte darüber, die Erinnerung an die industrielle Geschichte des Ortes wachzuhalten. Im Zuge der Revitalisierung des Steinmüllergeländes mit Hilfe der Regionale 2010, dem Strukturförderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen, kamen Verwaltung und Politik überein, die Halle als „Gewissen des Standorts“ zu bewahren. „Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Standorts werden hier gleichermaßen für die Menschen erlebbar, was die Halle 32 zum idealen Aushängeschild für den Gesamtstandort macht“, betonte Dr. Reimar Molitor, Geschäftsführer der Regionale. Eine „tragfähige Nachnutzung“ als Kultur- und Begegnungsstätte sollte gefunden und ein entsprechendes Konzept entwickelt werden.


Ende 2010 dann stellte das Land NRW Fördermittel in Höhe von 4,1 Millionen Euro bereit, um das Gebäude im Sinne seiner neuen Funktion als Veranstaltungszentrum umbauen zu können. Mit den Rohbau-Arbeiten ist im Januar 2012 begonnen worden. Im Lauf der Restaurierung hat die Halle u. a. ein erneuertes Dach erhalten, wobei die ursprüngliche Konstruktion bestehen geblieben ist. Am 3. Juli 2013 fand die offizielle Eröffnungsfeier statt. Seitdem nimmt die Halle 32 ihre zugedachte Rolle auf dem Steinmüllergelände ein – als ideelles Bindeglied zwischen Tradition und Zukunft der Fläche.


Die Erinnerung an das Unternehmen L. & C. Steinmüller wird aktiv gepflegt – allein die Benennung von zwei Seminarräumen in „L & C” und „Meisterbude” erweist der Vergangenheit Reverenz. Vieles aus Steinmüller-Tagen wurde beim Umbau der Halle 32 nicht angetastet, sondern bewusst erhalten, etwa die alte Krananlage unter der Decke. Zudem legen einzelne besondere Stücke in der Halle Zeugnis ab vom Erbe der Firma, beispielsweise die neben dem Eingang ins Südfoyer angebrachte Stechuhr, an der Generationen von Steinmüllerleuten im Verwaltungshochhaus ein- und ausgestempelt haben. Darüber hinaus sollen immer wieder außergewöhnliche Hinterlassenschaften des Unternehmens in der Halle 32 ausgestellt werden: für einen begrenzten Zeitraum als besondere Highlights.